Jemanden wie Thomas "Tower" Weinmann hätte wohl jeder gern zum Freund: einen Mann mit dem Herzen eines Sozialarbeiters und der Statur eines Eisenbiegers. Wenn es gut läuft auf dem Platz, reißt der Fanbeauftragte von Borussia Mönchengladbach mit den anderen die Arme hoch. Wenn nicht, dann muss er auf der Tribüne schon mal dazwischengehen und für Ruhe sorgen. Bei seiner Arbeit mit den Fans kommt dem Hünen zugute, dass man ihn von Weitem kommen sieht und Platz macht, "Mensch, Tower, ist ja schon gut!".

Weinmann hat als Diplomkaufmann gearbeitet, bevor er sich an Mönchengladbach verlor. Er schwärmt von den großen Zeiten, von den wilden "Fohlen", von Netzer, Heynckes, Wimmer und le Fevre. Mann, wie lang ist das alles her. Weinmann hat genug von den Kämpfen gegen den Abstieg. In den vergangenen 20 Jahren ging es 15 Jahre lang um alles. Auch jetzt wieder. Der aktuelle Tabellenplatz, Platz 14, setzt ihm zu. Das wird wieder knapp in diesem Jahr.

Ein paar Tage vor Weihnachten 2016 hat der Chef, Gladbachs Sportdirektor Max Eberl, den Trainer entlassen, was der ein oder andere verstanden hat. Als neuer Coach wurde Dieter Hecking verpflichtet, was nicht alle verstanden haben. Denn Hecking wurde gerade erst beim VfL Wolfsburg gefeuert. Sieht so ein "Neuanfang" aus, von dem dieser Tage am Niederrhein so beschwörend die Rede ist?

Es halten sich die Gerüchte, dass Uli Hoeneß ihn bald nach München holen will

Deshalb ist "Tower" Weinmann auch so dankbar für die Gelegenheit, im Januar mal rauszukommen. Tapetenwechsel für die Borussenfamilie! Für den Sportdirektor, den neuen Trainer, die Mannschaft und jene 70 Fans, die immer hinterherfahren, egal, wohin die Reise geht. Belek an der türkischen Küste war in den vergangenen Jahren das Ziel des Wintertrainingslagers. Jetzt sind sechs Tage Marbella gebucht, was deutlich teurer ist. "Fahrt doch mal nach Gibraltar, nutzt die Gelegenheit", hat "Tower" Weinmann seinen Leuten empfohlen, "ist interessant." Dabei glaubt er selber nicht, dass es in seinem Gefolge Fans gibt, die in Spanien etwas anderes erleben wollen als ihre Mannschaft. Will er ja selber auch nicht.

Zwanzig Grad, warm scheint an diesem Nachmittag die spanische Januarsonne auf das Marbella Football Center in den andalusischen Bergen. Max Eberl hat sich in den Schatten eines alten Herrenhauses gestellt und schaut dem Training zu. Flanken, Doppelpässe, Torschüsse. Auf 180 Millionen Euro beläuft sich der Jahresetat von Borussia Mönchengladbach – deshalb muss Eberl die Frage klären, wer sich reinhängt und wer nicht. "Ein fauler Apfel im Korb" reiche aus, um den ganzen Vorrat zu verschlechtern, sagt Eberl. Aussortieren müsse man solche Typen, und zwar ganz schnell.

Gladbachs Sportdirektor ist ein Mann mit einer kräftigen, untersetzten Figur. Als Abräumer, als resoluter Verteidiger hat er kurz bei den Bayern gespielt. Dann hat ihn der Nachwuchstrainer Hermann Gerland zur weiteren Grundausbildung zum VfL Bochum geschickt. Eine große Karriere ist daraus nicht geworden, ein besonders guter Fußballspieler war Eberl nie. Aber wenn er sich, wie hier in Marbella, einen Ball nimmt, dann kann er ihn immer noch auf dem Fuß tanzen lassen. Verlernt man nicht. Als die Kugel zu Boden fällt, lächelt Eberl kurz. "Ich habe davon profitiert, dass ich in guten Mannschaften mitspielen durfte."

Als Sportdirektor genießt er großes Ansehen, da gilt der 43 Jahre alte Niederbayer fast als Maßstab. Gut im Ankauf von Spielern, ebenso im Verkauf. Eberl hört das Gras wachsen, wenn sich jemand verändern will. Vereine suchen einen wie ihn, Kollegen wollen so sein wie er. Eberl gilt als ehrlich, anständig, ein Analytiker, der durchblickt und Spielerberatern so schnell nicht auf den Leim geht. Das ist schon mal was.

Deshalb halten sich auch die Gerüchte, Uli Hoeneß wolle ihn alsbald zu den Bayern nach München lotsen. Eberl hört das mit einem gewissen Behagen. "Vielleicht würde ich irgendwann drüber nachdenken", sagt er. Als sei er über dieses Geständnis selber erschrocken, schränkt er jedoch gleich wieder ein: "Wenn ich bei einem größeren Verein als Team-Manager anfinge, dann ist der Club zwar größer, aber meine Verantwortung ist nicht vergleichbar mit der, die ich in Mönchengladbach trage."