Das Erste, was Sie von Völklingen sehen, sind Türme und Gitter und rostroter Stahl. Die Völklinger Hütte. Die Einheimischen sagen "Hütt’", ohne e. Die Hütt’ hat der Mittelstadt hinter Saarbrücken zu bescheidenem Ruhm verholfen und den Familien zu einem Einkommen; Generationen von Vätern und Söhnen haben an den Hochöfen malocht. Das war vor der Stahlkrise. Aber gehen Sie erst einmal vom Bahnhof raus aus der Unterführung, dann stehen Sie schon fast davor.

Heute ist die Völklinger Hütte dicht und Weltkulturerbe, gerne genutzt als Kulisse für diverse Kunstaktionen. Steigen Sie hoch auf die Aussichtsplattform, und schauen Sie sich um. Die Winderhitzer, die Kokerei, die alte Hängebahn – Sie werden sich klein fühlen. Genießen Sie den moribunden Charme dieser Industrielandschaft. Sie ist lebendiger als das, was Sie sehen, wenn Sie den Blick heben: die Völklinger Innenstadt.

Aber es hilft ja alles nichts, also klettern Sie wieder runter. Die Rathausstraße beginnt gleich an der Hütte, folgen Sie ihr über den Völklinger Platz, irgendwann kommen Sie links an einer Kirche vorbei, St. Eligius. Lassen Sie sich nicht vom "Pfarrgarten" abschrecken: ein vertrockneter Brunnen, kahle Bäume, viel Beton. Gehen Sie rein, vielleicht spielt jemand Orgel. Oder alle Glocken läuten, sechs Stück, die leichteste wiegt 500 Kilogramm, die schwerste vier Tonnen, und jede hat einen Namen. Da müssten Sie allerdings Glück haben, normal passiert das nur zu Feiertagen. Die Völklinger sind stolz auf die Glocken und den Glockenstuhl, der – Sie ahnen es – aus Saarstahl gegossen wurde.

Am Ende gibt es Wurst

Wenn Sie genug haben vom Neubarock, folgen Sie der Rathausstraße weiter. Nach ein paar Metern biegt sie nach links ab, und Sie stehen vor einem gelben Gebäude mit hohen Fenstern und einem Zwiebeltürmchen. Es ist das Alte Rathaus, wie die Hütte schon lange außer Funktion. Heute hat sich die Volkshochschule darin eingerichtet. Das Haus steht seit den 1970er Jahren unter Denkmalschutz. Falls Sie sich fragen sollten, wieso, schauen Sie sich einmal um. Was taugte hier denn sonst zum Denkmal – Matratzen Concord?

Nun stehen Sie vor der Wahl: Sie können sich entspannen, oder Sie können das alte Völklingen kennenlernen. Entspannen geht gut am Skaterpark, hierzu nehmen Sie am besten den Bus, Linie 195, und steigen an der Haltestelle Stadionstraße aus. Falls Sie keine Ahnung haben, was eine Speedramp Kingsize oder eine Quarterpipe sind, es gibt auch: Holzbänke. Auf denen können Sie sitzen und den Jugendlichen zuschauen, die auf ihren Boards über das Gelände rollen, während hinter ihnen im Wald der Köllerbach fließt.

Wenn Sie vom Alten Rathaus aus lieber das alte Völklingen kennenlernen wollen, biegen Sie in die Bismarckstraße, Bergstraße, in die Hofstattstraße. Schön ist das alles nicht, versiffte Fassaden, leere Ladenlokale, Lottoannahmestellen. Sagen wir, Völklingen ist ehrlich.

Die Hütte mag sich mit Ausstellungen und Konzerten regelmäßig selbst beleben, die Stadt schafft das, nun ja, bedingt. Aber an der nächsten Kreuzung sehen Sie auch schon Rottmanns Eck. Eine Kneipe nach altem Schlag, die Tische aus Holz, urige Typen und eine Wirtin, die erzählt, wie die Hüttenarbeiter nach der Frühschicht hier auf den Bus nach Hause gewartet haben. Wie die Stadt grau war, immer grau von Staub und Ruß. 1986, als die Hütte schloss, hat es zum ersten Mal weiß über Völklingen geschneit. So erzählen es sich die Männer am Tresen zumindest. Aber verquatschen Sie sich nicht – die zwei Stunden.

Auf jeden Fall sollten Sie bei der Metzgerei Hachenthal in der Poststraße haltmachen, um sich mit einem saarländischen Traditionsessen einzudecken: Lyoner und Maggi. Lyoner ist Fleischwurst und wird als "Ring" verkauft. Das sollte man beim Bestellen wissen, wenn man nicht auffallen will. Maggi ist Maggi, viele Metzgereien verkaufen es einfachheitshalber gleich mit.

Den Weg zurück zum Bahnhof finden Sie leicht, einfach der Hütte nach. Und während Sie abfahren, von Gleis 1, 2 oder 3, können Sie sich nicht nur darüber freuen, dass Sie hier raus sind. Sie haben ja auch noch die Wurst.