In Saal 2.600 des Paul-Löbe-Hauses, direkt gegenüber dem Kanzleramt, tagt der NSU-Untersuchungsausschuss des Bundestages. Es ist der 29. September 2016. Die Abgeordneten sitzen in einem großen Halbrund. Ihnen gegenüber nimmt um 16.30 Uhr ein schlanker Herr Platz, an dem irgendwie alles grau ist: graue Haare, gestutzter grauer Bart, grauer Anzug. Sein Anwalt setzt sich neben ihn. Der Ausschussvorsitzende Clemens Binninger bittet den Zeugen, sich vorzustellen: "Mein Name ist Lothar Lingen", lautet die Antwort. "Beruf ist Verwaltungsbeamter."
Verfassungsschutz: Die Geheimnisse des Lothar Lingen
Vor fünf Jahren wurden im Bundesamt für Verfassungsschutz unter rätselhaften Umständen Akten aus dem NSU-Umfeld vernichtet. Neue Recherchen setzen die Verantwortlichen unter Druck.