In seiner im englischen Exil geschriebenen Geschichte eines Deutschen erinnerte sich der Publizist Sebastian Haffner 1939 an den "eisigen Schreck", der ihn sechs Jahre zuvor als Referendar am Berliner Kammergericht bei der Nachricht von Hitlers Ernennung befallen hatte. Einen Augenblick lang habe er "fast körperlich den Blut- und Schmutzgeruch um diesen Mann Hitler" empfunden. Doch noch am Abend des 30. Januar habe er mit seinem Vater, einem liberalen Reformpädagogen, die Aussichten der neuen Regierung diskutiert, und man sei sich rasch einig gewesen, dass sie wohl einiges Unheil anrichten könne, aber nicht lange im Amt bleiben werde. "Eine schwarz-reaktionäre Regierung im ganzen, mit Hitler als Mundstück. Bis auf diesen Zusatz unterschied sie sich wenig von den beiden letzten, die Brüning gefolgt waren [...]. Nein, alles in allem genommen, war diese Regierung kein Grund zur Beunruhigung."

Es wird schon nicht so schlimm kommen – das war auch der Tenor der großen liberalen Blätter. Theodor Wolff, der Chefredakteur des Berliner Tageblatts, sah im neuen Kabinett verwirklicht, was die vereinigte Rechte bereits auf ihrer Tagung in Bad Harzburg 1931 anvisiert hatte. "Es ist erreicht. Hitler ist Reichskanzler, Papen Vizekanzler, Hugenberg Wirtschaftsdiktator, die Posten sind so, wie es die Herren der 'Harzburger Front' erstrebt hatten, verteilt", eröffnete er seinen Leitartikel vom 31. Januar. Die neue Regierung werde nichts unversucht lassen, "um die Gegner einzuschüchtern und mundtot zu machen". Ein Verbot der Kommunistischen Partei stehe auf dem Programm, und mit einer Einschränkung der Pressefreiheit sei zu rechnen. Doch auch die Fantasie des sonst so hellsichtigen Journalisten reichte nicht aus, um sich einen nur halbwegs zutreffenden Begriff von den Möglichkeiten einer totalitären Diktatur zu machen. Es gebe "eine Grenze, über die hinweg die Gewalt nicht dringt", schloss er. Im deutschen Volk, das immer stolz gewesen sei auf "die Freiheit des Denkens und des Wortes", werde sich "seelischer und geistiger Widerstand" regen und allen Diktaturgelüsten Schranken setzen.

In der Frankfurter Zeitung äußerte der für die Innenpolitik zuständige Redakteur Benno Reifenberg Zweifel an der "menschlichen Qualifikation" Hitlers für das Amt des Reichskanzlers, schloss aber nicht aus, dass er sich mit der Verantwortung wandeln und Respekt verschaffen könne. Wie Theodor Wolff bezeichnete es Reifenberg als "eine hoffnungslose Verkennung unserer Nation, zu glauben, man könne ihr ein diktatorisches Regime aufzwingen": "Die Vielfältigkeit des deutschen Volkes verlangt die Demokratie."

Weniger zuversichtlich zeigte sich Chefredakteur Julius Elbau in der Vossischen Zeitung. "Die Zeichen stehen auf Sturm", hieß es in einem ersten Kommentar. Zwar habe sich Hitler mit seinem Anspruch auf den ausschließlichen Besitz der Macht nicht durchsetzen können: "Es ist kein Kabinett Hitler, sondern eine Regierung Hitler/Papen/Hugenberg." Aber bei allen inneren Gegensätzen sei sich dieses Triumvirat einig darin, "den völligen Bruch mit dem Bisherigen zu vollziehen". Angesichts dieser Aussicht warnte die Zeitung: "Ein gefährliches Experiment, das man nur mit tiefer Sorge und schärfstem Mißtrauen begleiten kann."

Besorgt war auch die Linke. In ihrem Aufruf vom 30. Januar hielten Parteivorstand und Reichstagsfraktion der SPD ihre Anhänger dazu an, den "Kampf auf dem Boden der Verfassung" zu führen. Jeder Versuch der neuen Rechtsregierung, die Verfassung zu verletzen, werde "auf den äußersten Widerstand der Arbeiterklasse und aller freiheitlich gesinnten Volkskreise stoßen". In dem strikten Beharren auf ihrem Legalitätskurs übersah die SPD-Führung, dass die demokratische Verfassung von Weimar unter den vorangegangenen Präsidialregierungen schon ausgehöhlt worden war und Hitler nicht zögern würde, die letzten Reste zu zerstören.

Einer Fehleinschätzung unterlag auch die KPD, als sie zum "Generalstreik gegen die faschistische Diktatur der Hitler, Hugenberg, Papen" aufrief. Angesichts von sechs Millionen Arbeitslosen gab es unter den Beschäftigten wenig Neigung, in den Ausstand zu treten. Der Appell, eine gemeinsame Abwehrfront zu bilden, stieß wiederum bei den Sozialdemokraten auf wenig Gegenliebe, konnten sie doch nicht so schnell vergessen, dass die Kommunisten sie noch kurz zuvor als "Sozialfaschisten" diffamiert hatten.

Den Gewerkschaften lag der Gedanke an außerparlamentarische Aktionen ebenfalls fern. "Organisation – nicht Demonstration: das ist die Parole der Stunde!", verkündete der Vorsitzende des Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbundes, Theodor Leipart, am 31. Januar. Für die Repräsentanten der sozialdemokratischen Arbeiterbewegung war Hitler ein Handlanger der alten sozialreaktionären Machteliten aus ostelbischem Großgrundbesitz und rheinisch-westfälischer Schwerindustrie. In einer Rede Anfang Februar 1933 bezeichnete der SPD-Reichstagsabgeordnete Kurt Schumacher den NSDAP-Führer als bloßes "Dekorationsstück": "Das Kabinett heißt Adolf Hitler, aber das Kabinett ist Alfred Hugenberg. Adolf Hitler darf reden, Alfred Hugenberg wird handeln."

Grotesker konnte man die von Hitler ausgehende Gefahr nicht verkennen. Die meisten führenden Sozialdemokraten und Gewerkschafter waren im Kaiserreich groß geworden. Sie konnten sich allenfalls eine Repression in Gestalt des Bismarckschen Sozialistengesetzes vorstellen, nicht aber, dass jemand mit der völligen Zerstörung der Arbeiterbewegung Ernst machen würde.