Drei Jahre lang war Sawsan Chebli, als stellvertretende Sprecherin von Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier, öffentlich zu sehen und zu hören. Im Auswärtigen Amt war nicht jeder von ihren diplomatischen Fähigkeiten überzeugt. "Aber niemand hier im Haus", berichtet ein Mitarbeiter aus Steinmeiers Umfeld, "hat sie, die Palästinenserin, jemals ein Wort des Hasses gegen Israel sagen hören, im Gegenteil. Ich bin mit ihr dort gewesen; sie wollte da vor allem verstehen." Oft habe sie dem Außenminister (mit dem sie sich duzt) Contra gegeben – nicht zuletzt, weil ihr seine Linie gegenüber Russland zu weich erschien.

Vermutlich hätte Chebli mit Steinmeier ins Bundespräsidialamt umziehen können. Aber die ehrgeizige Politologin will eine eigene politische Rolle. Als Bevollmächtigte für die Beziehungen Berlins zu Bundesländern und Bund wird sie dafür sorgen müssen, dass sich die Hauptstadt im Bundesrat nicht dauernd enthalten muss, weil die rot-rot-grüne Koalition nicht mit einer Stimme zu sprechen vermag. Chebli gilt als Hardlinerin in heiklen asylpolitischen Fragen. Sie ist zuständig für Berlins Städtepartnerschaft mit Istanbul. Sawsan Chebli wird also so etwas wie Berlins Außenministerin.

Ja, sie lebt in zwei Welten. Und diese Welten driften immer weiter auseinander. An jedem Übergang von der einen in die andere lauert der Verratsvorwurf. Kein Wunder, dass sie und ihr Mann Nizar Maarouf, Geschäftsführer bei den Vivantes-Kliniken, sich, so oft es geht, in New York aufhalten. Sobald sie am Flughafen ankommen, fühlen sie eine Last von sich abfallen. Dort wird Chebli nicht angestarrt, zum "Alien" gemacht, wie sie das mal genannt hat. Dort sagt man einfach "Darling" zu ihr. Wie zu allen anderen auch.