Dieser Artikel stammt aus Christ & Welt, den Extraseiten der ZEIT für Glaube, Geist und Gesellschaft.

Xi Jinping weiß, wie er sich in Zeiten Trumps als Hüter inszenieren muss. In Davos, auf dem Weltwirtschaftsforum, sagte Chinas Staatschef: Protektionismus sei, als schließe man sich in eine dunkle Kammer ein, in die kein Außenlicht dringe. Das Gleichnis meint den neuen Mann im Weißen Haus, auch wenn Xi den nicht namentlich nennt. Trump hatte China bereits im Wahlkampf mehrfach vorgeworfen, für Jobverluste in den USA verantwortlich zu sein, und hohe Importzölle auf Waren angekündigt. Xi, bisher Protektionist erster Garde, ergriff die Chance zur Revanche. Verglichen mit Trumps wüstem Abschottungsgebaren ließ er, ganz ohne markige Sprüche und Sheriff-Attitüde, sein Reich der Mitte als Hort der Liberalität, der Weltoffenheit und Ausgeglichenheit erscheinen – ein kommunistisch-kapitalistisches Zen-Paradies. Während Trump TTP aufkündigt, das transpazifische Äquivalent zu TTIP, bewirbt Xi sich um die Führungsrolle auf dem freien Weltmarkt. Eine Lichtgestalt ist Chinas Parteivorsitzender dabei freilich nicht. Xi ist ein milde lächelnder Diktator. Seine 1,4 Milliarden Bürger werden überwacht. Manche werden gefoltert, viele willkürlich inhaftiert. Doch je größer das Dunkel des einen, desto lichter wirkt der andere. Blenden lassen sollte man sich davon nicht.