Das Geschäft mit der Kunst der Alten Meister wird nicht einfacher. Die wichtigsten Gemälde hängen seit Jahrhunderten in Museen, Kirchen und königlichen Palästen – und werden diese wohl niemals verlassen. Umso erbitterter konkurrieren die Auktionshäuser und Kunsthändler darum, die wenigen kunsthistorisch bedeutenden Werke aus privatem Besitz irgendwann verkaufen zu dürfen.

Dabei sind die Preise, die heute auf Auktionen für Altmeisterwerke erzielt werden, im Vergleich zur zeitgenössischen Kunst geradezu lächerlich. Bei der großen Sotheby’s-Abendauktion vergangene Woche in New York wurden für 40 Gemälde von Goya bis Orazio Gentileschi insgesamt rund 27 Millionen Dollar ausgegeben. Das ist deutlich weniger, als allein das abstrakte Gemälde A B, Still von Gerhard Richter kostete, das im vergangenen November ebenfalls bei Sotheby’s in New York für 34 Millionen Dollar versteigert wurde.

Glücklich können sich in diesem Konkurrenzkampf nur jene Händler und Auktionatoren schätzen, die überraschende Entdeckungen machen. Sotheby’s hatte vergangene Woche eine solche zu bieten: das teuerste Gemälde dieser Auktionswoche. Die Studie eines Pferdes und seines Reiters brachte statt der geschätzten 1 bis 1,5 Millionen satte 5 Millionen Dollar (alle Preise inklusive Aufgeldern des Auktionshauses). Möglich war ein solcher Millionenpreis allerdings erst, nachdem Restauratoren allerlei Farbschichten von der Leinwand abgetragen hatten. Noch vor wenigen Jahren nämlich galt das Gemälde als das Werk irgendeines Schülers von Anthonis van Dyck. Im Laufe der Jahrhunderte hatten unbekannte Maler oder Restauratoren die Pferde-Studie einfach komplettiert, die leeren Flächen des Bildes mit einer etwas zu üppigen Landschaft versehen und dem Reiter eine gelbe Jacke angezogen. Erst nach den Ausgrabungsarbeiten auf der Leinwand waren sich die Experten aus den Niederlanden sicher: Diese Rückenansicht eines Pferdes, von dem vor allem der Hintern und der Schweif zu sehen sind, habe Peter Paul Rubens höchstpersönlich um 1610 gemalt.

Die Gier nach solchen Neuentdeckungen bringt immer wieder findige Betrüger auf den Plan. Entweder werden alte, von zweit- oder drittklassigen Künstlern gemalte Werke mithilfe mehr oder minder glaubwürdiger Experten und Restauratoren dem Œuvre eines Michelangelo oder Rembrandt zugeschrieben. Oder man lässt einfach neue Altmeistergemälde malen.

Das Auktionshaus hat sich jetzt ein materialtechnisches Labor gekauft

Wie versiert die Fälscher arbeiten, zeigt der große Fälschungsskandal, über den vergangenes Jahr zuerst der Pariser Journalist und Buchautor Vincent Noce im Journal des Arts und im Art Newspaper berichtete (ZEIT Nr. 43/16). Mehrere Gemälde aus dem früheren Besitz des 71-jährigen, in Paris geborenen, in Malta gemeldeten und in Italien beheimateten Giuliano Ruffini stehen in dem Verdacht, gefälscht zu sein.

In einer Ausstellung in Südfrankreich wurde im vergangenen Frühjahr eine angeblich von Lucas Cranach dem Älteren stammende Venus mit Schleier beschlagnahmt. Das Gemälde war über den in München und London beheimateten Kunsthändler Konrad Bernheimer für sieben Millionen Euro an die Fürstliche Kunstsammlung Liechtenstein verkauft worden. Ein vom französischen Gericht in Auftrag gegebenes Gutachten hat das Gemälde inzwischen für falsch erklärt.

Der Direktor der Sammlung Liechtenstein, Johann Kräftner, zweifelt im Gespräch mit der ZEIT diese Untersuchung an. Aufgrund der ihm bislang vorliegenden Informationen glaube er weiterhin, dass dieses Gemälde aus dem 16. Jahrhundert stamme. Ob es allerdings eigenhändig von Cranach dem Älteren gemalt worden sei, lasse sich nicht endgültig beweisen. Bernheimer antwortete auf eine Anfrage der ZEIT bis Redaktionsschluss nicht.

Auch Sotheby’s fiel auf die mutmaßlichen Fälschungen mit der Provenienz Ruffini herein: 2011 verkaufte man zusammen mit einem Londoner Galeristen ein angeblich von Frans Hals stammendes Ölgemälde an einen Privatsammler aus den USA. Kaufpreis: zehn Millionen Dollar. Zuvor war es von einem Mittelsmann für drei Millionen Euro erworben worden. Eine materialtechnische Untersuchung im vergangenen Jahr ergab: Es war eine moderne Fälschung. Während der Londoner Galerist die Materialanalyse anzweifelte, entschädigte Sotheby’s den Sammler umgehend und machte den Verkauf rückgängig.