Ein neues Hafenmuseum soll also her. Mit den Worten der Kulturbehörde: "ein Museum von nationaler und internationaler Bedeutung sowie hoher touristischer Relevanz". Der Bund hat bereits 120 Millionen zugesagt, Hamburg wird die gleiche Summe dazuschießen, und Carsten Brosda hat als neuer Kultursenator gleich etwas zu tun, nämlich einen geeigneten Ort dafür zu finden. Besser wäre allerdings, er ließe es bleiben. Denn den gesuchten Ort gibt es bereits. Am Rande der HafenCity gelegen, direkt am Wasser. Ein neobarocker Speicher, fantastische Architektur. Zurzeit trägt er den Namen: Internationales Maritimes Museum.

Das Museum beherbergt die Sammlung des ehemaligen Springer-Vorstands Peter Tamm. Hamburg stellte ihm 2009 auf 99 Jahre den Speicher kostenfrei zur Verfügung, mit 30 Millionen Euro förderte die Stadt zudem den Umbau des Gebäudes. Das Museum ist Tamms Lebenswerk und für die Stadt ein Glücksfall. Doch es hapert am kuratorischen Konzept. Sammler sind nicht immer die besten Ausstellungsmacher. Oft spiegeln Sammlungen die persönlichen Vorlieben und Vorstellungen dessen, der sie zusammengetragen hat.

Das zeigt sich bereits beim Motto des Internationalen Maritimen Museums. Maximal unspezifisch lautet es: "Schifffahrtsgeschichte ist Menschheitsgeschichte". Schlicht alles passt da hinein: Schiffsmodelle, Konstruktionspläne, Karten, Globen, Sextanten, Marineuniformen, Admiraldolche, Seestücke, Schiffsturbinen und Queen Mary Zwo, aus Lego. Peter Tamm wird jedes Exponat geliebt haben, ein schlüssiges Ausstellungskonzept aber sieht anders aus.

Ende des vergangenen Jahres ist der Sammler hochbetagt verstorben. Die Peter-Tamm-Stiftung muss nun ohne ihren Namensgeber die Geschäfte des Museums führen. Jetzt bietet sich eine einzigartige Chance, für Hamburg, für die Stiftung, für das Vermächtnis von Peter Tamm, für das Internationale Maritime Museum. Nun könnte man aus Tamms Schatzkammer ein Museum machen, das dem Begriff "international" im Namen gerecht wird: ein Museum von tatsächlich "nationaler und internationaler Bedeutung sowie hoher touristischer Relevanz".

Besser noch: Mit wenig Geld und wenig Aufwand könnte aus dem Kaispeicher an der Koreastraße nicht nur ein Museum von globaler Bedeutung werden, sondern ein Museum der Globalisierung.

Gerade in Zeiten um sich greifender Nationalismen muss man die Dynamik der Globalisierung verstehen. Wie funktioniert sie? Was bringt sie uns, an Gutem wie an Schlechtem? Wenn es einen Ort in Deutschland gibt, wo sich diese Fragen beantworten ließen, wo man versuchen könnte, diese Fragen überhaupt erst richtig zu stellen, indem man die lange und vielfältige Geschichte der Globalisierung erzählt, dann wäre das Hamburg. Die Hafenstadt ist dank der Elbe, ihrer Hauptschlagader, seit je eingebunden in grenzüberschreitende Waren- und Migrationsströme. Doch leider geht die Stadt mit der größten Geschichte, die sie zu bieten hat, ziemlich lausig um.

Neben dem Tamm-Speicher gibt es vier weitere Museen in Hamburg, die Maritimes im Angebot haben. Genau das ist das Problem. Wer etwas über die Globalisierung erfahren will, muss selbst eine kleine Weltreise antreten.

Im Altonaer Museum liegen ein paar hübsche Kähne, auch ein wunderbar uriger Einbaum, der an den Beginn der Schifffahrt erinnert. Von den Wänden starren farbige Galionsfiguren. In weiteren Räumen ist auch eine Menge über den Walfang zu erfahren oder über die Herstellung von Reep, Tauen also.

Auf zweifellos charmante Weise noch etwas ungeordneter geht es im Museum für Hamburgische Geschichte zu. Die Treppe rauf, erster Stock, rechter Hand in die maritime Abteilung, betritt man erst mal den Dampfer Werner: 1909 gebaut, ist er ins Museum integriert worden, mit allem Drum und Dran, Kommandobrücke, Schlafsaal, Kombüse. Es folgen Hafenmodelle, Schiffsmodelle, ein Kolonialwarenladen. Dann muss man, kleine Abwechslung, durch den Großen Brand, der 1842 die Altstadt zerstörte. Schließlich kommt man zur Hanse, zu Störtebecker, zum Kampf gegen Piraten.