Martin Walser, das Aufblitzen des Ressentiments, war gestern. Heute tobt die Revolte gegen die Deutungshoheit der "liberalen Klasse". Die schrecklichen Vereinfacher hantieren nur am Rande mit "Volk und Vaterland". Welche Ironie! Die Trumpisten aller Nationen bedienen sich inzwischen ebenfalls aus dem Arsenal des Korrekten – wie sie es definieren. Sie haben die strategischen Vorteile des Opferstatus entdeckt. Sie sehen sich als Leidtragende der Globalisierung, der Einwanderung, des Multikulti-Kultes – und der Bevormundung durch die "Elite", die ihnen das Maul verbiete und die Würde raube.

Wobei die Wähler von Trump und seinen europäischen Genossen noch das geringste Problem sind, fordern sie doch Macht auf dem verfassungsgemäßen Wege. Wer wissen will, wie die echten Außenseiter denken, begebe sich in die digitalen Kommentarteile der Medien – oder zu den Websites, die vor Fake-News und "alternativen Fakten" strotzen. Wie bei Humpty Dumpty und George Orwell geht es um die Macht über die Sprache, die Denken und Handeln bestimmt.

Das Gegenmodell zur klassischen PC ist die Alt-right-Bewegung, die "alternative Rechte". Das Ziel ist das Gleichdenk, der Angriff gegen den Comment und die Moral, die das "Establishment" hochhält. Die Waffen sind gefälschte Fakten, Verdrehung, Diffamierung und Charaktermord, verpackt in Hass und Verachtung. Was Links kann, können die neuen Ultras allemal, bloß viel besser. Unübertroffen sind Zynismus und Gemeinheit.

Endlos zitiert wird das Wort von Karl Marx aus dem Achtzehnten Brumaire, wonach sich alles zweimal ereigne – "das eine Mal als Tragödie, das andere Mal als Farce". Dieser Spruch gehört im 21. Jahrhundert revidiert. PC war erst ein unumgängliches Programm. Dann geriet es in den Mündern seiner Gegner zur Farce, zu Hohn und Spott. Schließlich griff es als Tragödie von links nach rechts über. Diese bedroht die liberale Demokratie, die ohne Meinungsfreiheit nicht existieren kann.

Humpty Dumpty wusste es: Die Frage ist, wer Herr über das Wort ist. Noch schneidender George Orwell: "Neusprech" soll die "Bandbreite der Gedanken einengen". So "werden Gedankenverbrechen buchstäblich unmöglich, weil es keine Wörter mehr gibt, um sie auszudrücken".

Der Mann hat 1984 vor 68 Jahren geschrieben, lange bevor "PC" in die Sprache einging. Bei Amazon.com führt das Buch derzeit die Hitliste an, was weder Farce noch Tragödie ist, sondern Trost. Keiner hat die Regeln des klaren Denkens besser formuliert als Orwell.