Die japanische Gastronomie lässt einen immer wieder staunen. Neulich im Akari:

"Ein Sake, bitte!"

"Warmen Sake?"

"Nein, lieber kalten."

"Es tut mir leid, wir haben keinen."

"Sie haben keinen kalten Sake?"

"Doch, aber heute ist er leider nicht kalt."

Stimmt, die angebotene Flasche ist zimmerwarm.

"Könnten Sie die vielleicht für mich in den Kühlschrank stellen?"

Die Kellnerin berät sich mit ihrer Kollegin, die gerade andächtig Bier zapft. Dann nicken beide eifrig. Eine Viertelstunde später gibt es kalten Sake.

Wer es nicht kennt, staunt gleich weiter beim Eintreffen der Soba-Nudeln mit Tempura. Da backt man die Garnelen erst kunstvoll im dünnen Knusperteig aus, nur um sie dann vor dem Servieren in der Suppe aufzuweichen. Für den norddeutschen Brathering gilt das allerdings auch. Es ist nun mal Tradition.

Und auf seine Art ist das vor zwanzig Jahren eröffnete Akari ein sehr traditionelles Lokal – eine japanische Kneipe, wie es sie in Deutschland nur selten gibt. Sauber, aber ein bisschen schrammelig mit einem Stilmix von Origami und Butzenglas. Auf dem Tresen steht ein Obstkorb mit Orangen und Ananas, der in der Nachkriegszeit sicher Eindruck gemacht hätte. Die Vitrine darunter, ursprünglich für Fisch, wird nur mehr als Dekofläche benutzt. Vielleicht ein zarter Hinweis, nicht die Sushi zu bestellen.

Sie sind ohnehin nicht das Interessante hier. Mehr versprechen die eigenwilligen Adaptionen von Curry oder Carpaccio, die bäuerlichen Speisen à la Rind mit Rührei, vor allem aber die Kleinigkeiten von der Tageskarte – japanische Tapas, wenn man so will. Erfrischend der geraspelte Rettich mit Lachskaviar. Der mariniert gegrillte Thunfisch ist fest wie Huhn und mächtig auf der Zunge. Die gedämpften Gyoza provozieren mit der Bitterkeit von grünem Lauch. Die Rinderzunge, hauchdünn gegrillt, wellt sich auf dem Teller. Wer partout rohen Fisch will, kommt auch nicht zu kurz. Die Makrele bewahrt trotz ihrer Essigbeize eine schöne Buttrigkeit.

Was all diese Gerichte verbindet: Sie sind herzhaft und ziemlich salzig. Man möchte dazu reichlich trinken – nur nicht von diesem Sake, der inzwischen schon wieder warm ist. Ein Blick ringsum bestätigt den Eindruck, alle trinken Bier: Die acht japanischen Geschäftsleute, die offenbar etwas feiern. Der Deutsche, der seinen Begleitern im Detail Neues aus "der Loge" erzählt. Das gemischte Grüppchen junger Leute, ein Sprachkurs vielleicht.

Im Gegensatz zum typischen Sushi-Japaner ist in dem kleinen Ecklokal fast immer etwas los. Auch unter der Woche sollte man reservieren. Das liegt nicht zuletzt daran, dass man sich hier für vierzig Euro pro Person einen schönen Abend machen kann. Vor allem wenn man wie die Japaner immer wieder ein, zwei Teller zum Teilen bestellt. Und zwischendurch eine Runde. Das erklärt wahrscheinlich auch, warum der Sake heute warm ist: Die Kühlschränke werden alle fürs Bier gebraucht.

Akari, Papenhuder Straße 67, Uhlenhorst. Tel. 220 08 03, www.restaurant-akari.de. Geöffnet täglich außer dienstags 18–22 Uhr. Hauptgerichte um 20 Euro