Die Menschheit teilt sich in zwei Gruppen: diejenigen, die einen Backshop nur betreten, um kontrolliert ein bestimmtes Brot oder abgezählte Brötchen zu erwerben. Und die, die schlemmerig werden, wenn sie die Kuchen und Törtchen sehen. Die nicht anders können, als der Versuchung nachzugeben, und sich ein duftendes Stück Apfelkuchen reichen lassen, das einfach perfekt wäre mit ein bisschen Sahne – aber der Backshopmitarbeiter setzt ein Gesicht auf, als habe man Schmieröl verlangt: "Sahne? Haben wir nicht." Alles, was einem bleibt, ist, nach Hause zu rasen, Sahne zu schlagen und in sich hineinzulöffeln – pur; den Kuchen musste man unterwegs verzehren. Oder im nächsten Supermarkt eine Dose Sprühsahne aus dem Kühlregal zu greifen und sich den Mund wieder und wieder mit sahnigem Schaum zu füllen.

Wieso gibt es immer noch Backshops, die keine Sahne anbieten? Und sei es Sprühsahne? Gut, Gourmets streiten über den Geschmack der weißen Kringelwurst. Auch andere greifen lieber zur Selbstgeschlagenen, auch eines Unbehagens gegenüber den Inhaltsstoffen der Sprühvariante wegen: Vor allem das Verdickungsmittel Carrageen E 407 soll für die mögliche Entstehung von Darmkrebs verantwortlich sein.

Dennoch: Würde man sich in Backshops derart Sorge um die Gesundheit der Kundschaft machen, müsste man das Obst pur verkaufen statt in Form eines süßen Kuchens. Wenn man aber dem Affen schon Zucker gibt – wieso gibt man dem Kunden keine Sahne? Gedankenlosigkeit? Will man, dass die Esser sich den Magen lieber mit einem zweiten, dritten, vierten, fünften Stück Kuchen vollschlagen?

Eine Umfrage unter Betreibern von Backshops und Filialbäckereien brachte dazu keine Antwort. Allerdings: Kuchenschnabulierern keine Sahne anzubieten scheint doch als Fauxpas zu gelten. Kamps und Nur Hier kündigten an, sicherheitshalber an Filialleiter und Franchise-Partner weiterzugeben, dass Sahne zum Kuchengenuss gehöre. Dass Kunden eventuell auf die "krönende Sahnehaube" verzichten müssten, schrieb Kerstin Mairose von Nur Hier, sei "nahezu unverzeihlich". In "den meisten Filialen", erklärte die Schanzenbäckerei, gebe es sogar "richtige Sahnespender", ein Sprecher der Bäckerei Junge merkte an, die Sahne in den Filialen stamme "aus professionellen Handsprühern". Nur die Stadtbäckerei zog es vor, zu schweigen.

Angesichts der großen Resonanz auf unsere kleine Umfrage können Sahneliebhaber aber davon ausgehen, dass die meisten Versorgungslücken in der Stadt bald geschlossen sein werden.