Was bisher geschah: Am Anfang stand ein kleines niederländisches Video, rasend komisch, ungezählte Millionen Mal geklickt. Unter dem Titel Welcome to the Netherlands warb vermeintlich die niederländische Regierung persönlich bei Trump dafür, wenn schon "America first", dann bitte als "Netherlands second" sein zu dürfen. Mit lustigen Selbstwerbungsbildern (Landschaft, Wahrzeichen, Bräuchen) und einer perfekten Trump-Stimmenimitation ("It’s great", "It’s true", "It’s fake") prahlte das Land mit seinen Superrassisten, Superbehinderten, Superdeichen gegen Mexiko. Scherz!

Der einschlägig bekannte Comedian Jan Böhmermann wiederum teilte wenige Tage später mit, es sei nur fair, wenn Deutschland, indem es die Idee den Niederländern jetzt klaute, eine dritte Chance bekäme. Also strahlte er in seiner Sendung ebenfalls ein feines kleines Video aus, mit dem Germany sich beim amerikanischen Präsidenten bewarb ("Make Germany great again. Germany hosted two world wars, the greatest world wars of the world"). Und dann ließ Böhmermann noch wissen, dass soeben lauter Late-Night-Show-Redaktionen europaweit unermüdlich an solchen Videos säßen, mit denen sie sich darum bewürben, Zweiter zu sein. The greatest EU in the world! Die dazugehörige Facebook-Seite kann sich seit dem Wochenende vor Neubewerbern aus ganz Europa kaum retten. Unter dem Motto "Everysecondcounts" entstand ein Wettbewerb, der den Eurovision Song Contest blass aussehen lässt. Und vielleicht noch mehr: Wie eine spontane gemeinsame Verneigung vor dem politischen Europa wirkt dieser Zusammenschluss der Comedians, durchaus ernsthaft. Als wollten sie sagen: Das ist schon toll, was die so alles organisiert kriegen in Brüssel, gar nicht leicht in dem Chaos, Hut ab!

Aber dann geriet etwas außer Kontrolle, denn plötzlich meldete sich China zu Wort. Irgendwer warf ein eigenes Video in den Wettbewerb um den zweiten Platz, in dem Trump selbst immerfort nur "China" sagt, nichts als "China". "China". Dann tauchte die DDR auf: Bewerbung! Außerdem war da plötzlich das Video aus Marokko zu sehen. Greatest kingdom in the world! Es behauptet, als erster Staat der Welt Amerika anerkannt zu haben, great, 1777, es beansprucht den weltbesten pussy grabber für sich, es rühmt Marokkos Größe, wenn man mal die 1975 annektierte Westsahara dazuzählt, und es findet, Europa könne gern Zweiter sein, wenn es sich von Marokko annektieren lasse, sonst: total losers, diese Europäer mit ihrem Flüchtlingschaos! Auch Kroatien ist jetzt mit seinem Beitrag zur Stelle, das will aber bitte, hinter Amerika und Deutschland, gern Dritter sein. Indien möchte, nur falls die Eltern des Sprechers zuhören, selbst Erster sein. Breaking news: Der Iran macht mit! Nicht der Irak, Mr. President. Sodann: Namibia first, ja, first, und sogar der Mars meldet sich, allerdings mit metallener Stimme, in seinem Bewerbungsfilm: Greatest planet in the solar system! Hingegen Venus: fake. Mars informiert: Mr. President, die Welt ist eine Kugel, machen Sie sich beim Mauerbauen keine Illusionen, die Mexikaner gehen außen herum. Sad!

Es fällt auf, dass bisher kaum gedruckte Texte zu diesen Vorgängen erschienen sind, die große New York Times indes ist hellwach: Am 7. Februar 2017, also soeben, erscheint ihr Text European nations jockey to be second. Europa! Aber dort noch kein Wort über den Mars, über China ... Lieber Jan Böhmermann und liebes Fernsehen, honorable New York Times, die Europa-Pointe ist ruiniert, die These hat sich in Luft aufgelöst, der Wettbewerb ist nicht schwer zu organisieren, das organisiert sich gerade alles selbst, totally. Greatest Rätsel in the world. It’s true.