Am vergangenen Donnerstag hat Donald Trump einen seiner berüchtigten Tweets abgesetzt: "Losers such as SPD-Fraktion in Hamburg use me for publicity for themselves", war darin zu lesen, abgeschickt mitten in der Nacht. Nein, das hat er natürlich nicht geschrieben. Der Tweet stammt von einer Fun-Website. Auf trumpgenerator.com kann jeder im Namen von Trump beleidigende Kurzbotschaften generieren. "Andreas is a totally overrated clown who speaks without knowing the facts", zum Beispiel. Oder: "Dirk works really hard but just doesn’t have it – a total loser!"

Andererseits: Hätte der US-Präsident tatsächlich die Hamburger SPD-Fraktion als Publicity-süchtig getrollt – man hätte ihm nur schwer widersprechen können. In der jüngsten Bürgerschaftssitzung nämlich ließen sozialdemokratische Abgeordnete vorige Woche eine "Resolution" herumgehen, in der es heißt: "Wir, Abgeordnete der Hamburgischen Bürgerschaft, des Landesparlaments einer toleranten, weltoffenen Stadt, erklären uns mit den Betroffenen solidarisch und sagen NEIN." Es ging um die von Trump verfügte Einreisesperre für Menschen aus sieben Staaten. Zwei Drittel der Abgeordneten – Grüne, SPD und Linke – unterzeichneten das Papier. Die Linksfraktion fand es so gelungen, dass sie daraus gleich ein Logo fürs Netz machte. "Das Tor zur Welt sagt NEIN", steht da vor einer US-Flagge, von der die weißen Stripes abbröckeln. Ein seltener Fall von rot-roter Einigkeit.

Betroffenheit hin, Tor zur Welt her: Bei aller Empörung über Trumps rassistischen Muslim ban fragt man sich, wo das enden soll. Ist es wirklich nötig, dass sich deutsche Landesparlamente in die Weltpolitik einmischen? Der saarländische Landtag votiert gegen die Annektion der Krim? Das Berliner Abgeordnetenhaus verurteilt die Flüchtlingspolitik Orbáns, die Bremische Bürgerschaft den Genozid an den Armeniern? Klingt albern, oder? Es ist nicht die Aufgabe der Landesparlamente, Außenpolitik zu machen.

Das weiß man auch in der Hamburger SPD-Fraktion. Andererseits: Gegen Trump zu sein ist das neue "Je suis Charlie". Für nichts gibt es derzeit so viele Likes. Da ist es verführerisch, sich an die Spitze des Protestes stellen zu wollen. Trump mag ein gefährlicher Narziss sein und Widerstand das Gebot der Stunde – trotzdem (oder gerade deshalb) werden ihn Unterschriftensammlungen aus der Hamburgischen Bürgerschaft wenig beeindrucken. Mutiger wäre es gewesen, hätten sich die Abgeordneten gegen den Besuch Trumps beim G-20-Gipfel in unserer "toleranten, weltoffenen Stadt" gestellt: Hamburger Parlament lädt US-Präsident aus, was für eine Überschrift!

Womöglich ist die Trump-Resolution auch eine Folge der neuen hamburgischen Weltstadt-Hybris: Weil dank der Elbphilharmonie die Welt nach Hamburg blickt, fühlt man sich berufen, in die internationale Politik einzusteigen? Bitte nicht.