Man kann natürlich versuchen, mit der Erhebung von Steuern dagegenzuhalten – auf bestimmte Lebensmittel, auf Benzin, auf Fernreisen, auf Flachbildfernseher. Es bringt bloß fast gar nichts. Höhere Steuern schließen nur die weniger Wohlhabenden von der Konsumparty aus, während die Hersteller versuchen, bei den Löhnen und an der Qualität zu sparen, um die Preise zu drücken.

Deshalb lieber gleich verbieten. Auch wenn Verbote niemand mag. Verbot, das klingt nach Stubenarrest und Diktatur. Selbst die Grünen haben ihre Forderung nach dem Veggie-Day in Kantinen schnell beerdigt, als man sie als nörgelige Nanny-Partei beschimpfte. Aber Fleischverzicht ist kein Freiheitsentzug. Und es stellt auch keine unzumutbare Härte dar, mit dem Bus statt mit dem Auto in die Stadt zu fahren. Oder mit dem Fahrrad. Und kommen Sie mir nicht mit Ihren blöden Getränkekisten. Es gibt Fahrradanhänger. Oder Sie trinken Ihr Wasser eben aus dem Hahn. Von Rhabarberschorle steht nichts im Grundgesetz.

Damit die Verbote Wirkung zeigen, darf die Regierung es allerdings nicht bei ein paar symbolischen belassen. Es wäre zwar schön und gut, wenn Plastiktüten, Einwegbesteck und Kaffeekapseln von der Erdoberfläche verschwinden würden – und bisher ist uns ja nicht mal das gelungen, während sich die Industrie immer neuen Müll ausdenkt, Schokoriegel schrumpft, sie einzeln verpackt und dann zusammen mit anderen einzeln verpackten Schokoriegeln in eine große Verpackung steckt. Und kaum gibt es Kühlschränke, die die Umwelt schonen, fahren die Leute mit Autos zur Arbeit, die so breit sind wie Panzer und noch mehr CO₂ in die Luft blasen.

Verbietet doch einfach Plastikverpackungen da, wo sie nicht nötig sind! Verbietet überflüssige Autofahrten, indem jeder Bürger nur noch das Recht auf eine bestimmte Menge Sprit hat! Verbietet die Neuzulassung von Autos, die einen bestimmten Verbrauch überschreiten! Und bei der Gelegenheit: Führt ein generelles Autobahn-Tempolimit von 120 ein! Verbietet auf alte Art erzeugten Strom! Macht Ökostrom zur Pflicht!

Und wer sich nicht an die Verbote hält, der wird vor ein Gericht gestellt, genau wie jemand, der Giftmüll im See entsorgt. Verschwendung ist nämlich kein Kavaliersdelikt. Es ist nicht in Ordnung, alles an sich zu raffen, nur weil es greifbar ist. Niemand hat das Recht, sich mehr zu nehmen, als er braucht.

Und ich hätte noch einen Vorschlag: Jeder Bürger bekommt jährlich ein CO₂-Guthaben, das ihm einige Verbrechen gegen die Natur erlaubt, wofür er dann aber andere unterlassen muss. Kaufe ich mir einen neuen Fernseher, oder fliege ich lieber auf die Malediven? Esse ich das argentinische Steak, oder mache ich einen Ausflug mit dem Motorrad? Aufstocken kann man dieses Guthaben nicht mit Geld, sondern nur, indem man etwas dafür tut. Den Wald vor der Haustür von Müll befreien zum Beispiel. Oder von mir aus auch eigenhändig einen Baum pflanzen, statt irgendwo einen pflanzen zu lassen.

Ich weiß, jetzt kommen die Christian Lindners und sonstigen Freihandelsphilosophen und protestieren, natürlich. Ich will ja auch in keinem Staat leben, der überall Verbotsschilder aufstellt und den Menschen vorschreibt, was sie zu tun haben. Es geht mir aber um das, was sie schlicht nicht tun dürfen, wenn hier auch in 1.000 Jahren noch jemand leben können soll.

Wer sich nicht jeden Herbst ein neues Handy kaufen darf, benutzt eben weiter sein altes. Und wer auf seine Kaffeekapseln verzichten muss, mahlt den Kaffee halt selbst. Na und? Was wir als Konsumfreiheit bezeichnen, ist in Wahrheit oft nur als Recht getarnte Bequemlichkeit. Konsumverbote beschränken die Freiheit zu konsumieren, nicht die politische. Die wird nämlich nicht im Apple Store verteidigt.

Dass weniger Konsum funktionieren kann, ohne dass dadurch die Wirtschaft zusammenbricht, davon sind eine Menge kluger Leute überzeugt. Der britische Ökonom Tim Jackson etwa, der mit Wohlstand ohne Wachstum eine Art Standardwerk zum Thema vorgelegt hat und unter anderem stark verringerte Arbeitszeiten vorschlägt. Was sollte das auch für eine Welt sein, wo es nur läuft, wenn wir möglichst viel kaufen und verbrauchen?

Ich weiß nicht, wann es mich das letzte Mal mehr als ein paar Augenblicke lang glücklich gemacht hat, etwas gekauft zu haben. Meistens geht es mir dabei wie in der Kantine, wenn ich mich trotz guter Vorsätze am Ende doch für die Currywurst entschieden habe und danach denke: Puh, hätte nicht sein müssen. In einer Welt mit vielen Verboten müssten wir uns keine Gedanken mehr darüber machen, ob das, was wir tun, der Umwelt oder unseren Mitmenschen schadet. Kein schlechtes Gewissen ertragen, wenn ein Fahrradfahrer mit Jutebeutel an uns vorbeiradelt. Wir wären plötzlich viel freier.

In Wirklichkeit sehne ich, sehnen wir uns nach dem Mann, der im Supermarkt neben uns tritt und sagt: Plastiksalat mit Plastikgabel? Das stellen Sie mal schön wieder ins Regal. Und dann schaut er uns sehr böse an.