Der Erfolg eines Künstlers gleicht einem homöopathischen Mittel – nie lässt sich vollständig klären, was da am Ende wirksam gewesen ist. Waren es die Werke selbst, die eine Karriere erst ermöglichten? Oder war es doch eher das Vertrauen in die Verheißungen der Künstler und Galeristen sowie in das Flair ihrer Originalität? Wie bei der Homöopathie lässt sich behaupten, dass es auf das Warum nicht ankomme und einzig das Resultat zähle. Aber das macht die Sache noch geheimnisvoller: Warum macht der eine Künstler Karriere und der andere nicht?

Für Anselm Reyle dauerte es ungefähr fünf Jahre, bis er nach seinem Studium von der Kunst leben konnte. In dieser Zeit stellte er in Projekträumen aus, organisierte mit befreundeten Künstlern Low-Budget-Ausstellungen, zu denen auch Galeristen kamen. Heute verkauft er seine Werke zu erstaunlichen Preisen und wurde zum Professor für Malerei an der Hochschule für bildende Künste in Hamburg ernannt. Reyle erzählt, es gelinge nur wenigen Künstlern, sich zu hundert Prozent der Kunst zu verschreiben. Doch ohne Beharrlichkeit und uneingeschränkten Einsatz sei kein Erfolg zu haben. Auch solle man sich gleichgesinnte Kollegen suchen, die einen mit tragen.

Sich ein dichtes Netz an Unterstützern anzuschaffen, rät auch Monika Kerkmann, die Direktorin der Julia Stoschek Collection in Berlin. Künstler, mit denen sie zusammenarbeite, empfählen öfters andere Kollegen und machten auf deren Arbeiten aufmerksam. Kerkmann geht diesen Tipps gerne nach. Eigenbewerbungen führen hingegen eher selten zu einem Ankauf.

Kunstwerke werden durch hundertfache Likes auf Instagram nicht besser

Der Künstler Ólafur Elíasson war Gründungsdirektor des Instituts für Raumexperimente an der Universität der Künste Berlin, seit 2012 hält er Vorlesungen an der Kunsthochschule Addis Abeba in Äthiopien. Auch er rät jungen Künstlern, zwischen Freundschaft und Arbeit nicht zu trennen und sich auf gemeinsame Projekte einzulassen. Jedoch sollten gerade Anfänger zwischen Kunstmarkt und Kunstwelt unterscheiden: Junge Künstler, die zu schnell in den Kunstmarkt hineinwollen, laufen Gefahr, gehypt und dann rasch verheizt zu werden. Sie sollen zunächst ihren Platz in der Kunstwelt finden, experimentieren, ihre eigene Werksprache festigen und für sich klären, mit welchen Themen sie sich auseinandersetzen wollen. Auch werden Arbeiten nicht dadurch besser, dass sie hundertfache Likes auf Instagram erhalten. Vielleicht könne jemand aus der Kunstwelt auch ein erfolgreicher Farbtherapeut werden – für Elíasson keineswegs eine Perspektive, die zu verachten wäre.

Ein talentierter Künstler kann all diese Ratschläge beherzigen und am Ende trotzdem scheitern, hingegen kann ein durchschnittlicher Künstler erfolgreich sein. Es kommt offenbar immer auch auf Glück und Zufall an. Die Kunstgeschichte, sowie jede andere Geschichte auch, ob es nun die von Nationen oder Einzelschicksalen ist, bleibt stets eine Verkettung oft unvorhersehbarer Ereignisse. Ohne zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein und die richtige Bekanntschaft gemacht zu haben, hätten wohl viele Künstler ihre Karrieren gar nicht erst begonnen.

Manchmal kommt es vor, dass sich eine vermögende Sammlerin in Maler und Bildhauer verliebt, mit ihnen Freundschaft schließt und sie in Ausstellungen unterbringt. So erwies sich Peggy Guggenheim, anfangs wahrlich keine Kennerin, für viele Künstler um sie herum als wahrer Glücksfall. In den dreißiger Jahren begann sie, sich für Kunst zu interessieren, und unterstützte mit ihren Ankäufen viele Künstlerkarrieren, etwa die von Max Ernst, Marcel Duchamp oder Pablo Picasso.