Dass ausgerechnet Lady Gaga, der Popstar, der sonst eher mit seinem Outfit als mit politischen Botschaften provoziert, den wohl sozialkritischsten Song des amerikanischen Folksängers Woody Guthrie anstimmte, ist ein kleines Beben: "Dieses Land ist mein Land. Und deines auch. Es gehört dir genauso wie mir." Das sang sie noch dazu in der Pause des patriotischsten amerikanischen Football-Events, des Super Bowl! Sosehr die USA nun gespalten sind in Trump-Gegner und -Befürworter, vor dem Bildschirm fiebern sie hier alle gleich. Dann ist Amerika wieder ganz Amerika, wie es sich liebt. Dann ist das aber auch der passende Moment, davor zu warnen, dass dieses Land in die Klauen weniger fallen könnte, die vorgeben, das Land wieder groß zu machen, in Wahrheit – wie die Besetzung der Posten zeigt – aber nur ihre reiche Schicht begünstigen.

Man hat Lady Gaga eine politische Geste förmlich abverlangt. "Auf welcher Seite stehst du?", fragte auch Woody Guthrie, als er vor Wanderarbeitern sang, die der große Staubsturm um Ernte und Arbeit brachte in den 1930er-Jahren. Lady Gaga, italienisch-amerikanische New Yorkerin aus kleinen Verhältnissen, hat sich positioniert. Mutig, denn Fans aus der Trump-Ecke könnten sich von ihr abwenden. Was Woody Guthrie betrifft: Er würde sich heute die Augen reiben. Nicht wegen des Nebels aus Staub, gegen den er einst ansang. Sondern weil derart viele Menschen, die sich sozial abgehängt fühlen, ausgerechnet dem Immobilien-Tycoon Donald Trump ihre Stimme gaben.