Der Wert eines Vorstandschefs für ein Unternehmen lässt sich selten so gut beziffern wie bei Kasper Rorsted. Als er vor einem Jahr seinen Wechsel zu adidas ankündigte, stieg der Börsenwert des Unternehmens um eine Milliarde Euro. Wie viel Rorsted verdient, wird adidas erst Anfang März veröffentlichen. Man darf aber annehmen, dass er gut verhandelt hat. Wie so viele Manager im Land.

Auch wenn die meisten ungern darüber sprechen.

Die ZEIT hat die Vorstandschefs der 30 größten börsennotierten deutschen Konzerne um Auskunft gebeten: Welches Gehalt halten sie für angemessen? Und hätten sie Verständnis dafür, wenn der Staat die Managergehälter gesetzlich deckeln würde?

Der öffentliche Druck auf die Wirtschaftselite, solche Fragen zu beantworten, nimmt zu, seit eine wütende Debatte über die Vergütung von Vorstandschefs entbrannt ist. Sie hat sich am Ruhegeld des früheren VW-Chefs Martin Winterkorn entzündet, der angeblich nichts von den Dieselmanipulationen beim Autobauer wusste, aber 3.000 Euro Rente bekommt – täglich. Im Jahr vor der großen Krise hatte sein Gehalt 15,9 Millionen Euro betragen. Die Debatte wird genährt durch Christine Hohmann-Dennhardt, die im VW-Vorstand für Integrität zuständig war, nach einem Jahr ging und eine Abfindung von zwölf Millionen Euro bekam. Und sie wird befeuert durch Zahlen, die der Managementwissenschaftler Robert Göx aus Zürich errechnet hat: Verdiente ein Topmanager hierzulande 1991 noch das 28-Fache eines durchschnittlichen Arbeitnehmers, ist es heute bereits das 83-Fache.

Zwar erwägen VW-Aufsichtsräte, das Gehalt des Vorstandschefs künftig zu deckeln, auf zehn Millionen Euro. Zwar verzichteten bei der Deutschen Bank die Vorstände gerade auf ihre Bonuszahlungen, Bankchef John Cryan schrieb sogar per Zeitungsannonce einen langen Entschuldigungsbrief an die "verehrten Kunden". Aber der Eindruck bleibt: Ganz unten in den Unternehmen werden Gehälter mit dem Argument gedrückt, nur so könne die deutsche Wirtschaft wettbewerbsfähig bleiben. Ganz oben spielt Geld keine Rolle, weil angeblich nur so der Kampf um die besten Talente gewonnen werden kann.

Braucht Deutschland nach dem Mindestlohn nun auch den gesetzlichen Maxilohn? So wie er in Berlin bereits diskutiert wird?

In der ZEIT melden sich erstmals mehrere der öffentlich sonst so zurückhaltenden Wirtschaftsführer zu Wort. Sie wehren sich gegen schärfere Regulierungen und verteidigen ihre Gehälter.

Adidas-Chef Kasper Rorsted sieht in den Gehältern kein Problem. "Deutschland hat mit der sozialen Marktwirtschaft ein exzellentes Wirtschaftsmodell und steht im internationalen Vergleich hervorragend da", sagt er und verweist auf die gute Beschäftigungslage, von der auch viele junge Menschen profitierten, und auf die seit drei Jahren steigenden Realeinkommen. "Das belegt doch", sagt er, "dass die deutschen Unternehmen und ihre Lenker zum überwiegenden Teil einen guten Job machen und ihre Unternehmen zum Wohle der Gesellschaft führen."

Diese Verdienste könnte man freilich ebenso der Politik zuerkennen. Deren Spitzenpersonal verdient auch nicht schlecht, allerdings deutlich weniger als die Wirtschaftsbosse. Kanzlerin Angela Merkel zum Beispiel arbeitet für etwa 300.000 Euro pro Jahr. Diese Summe hatte Daimler-Chef Dieter Zetsche im Geschäftsjahr 2015 schon nach zwei Wochen zusammen.

Als gebe es keine Zweifel an ihrer angemessenen Vergütung, verteidigen Deutschlands Manager den Status quo. "Die Vorgabe einer Höchstquote wäre ein deutlicher Eingriff in die Eigentümerrechte", sagt Nikolaus von Bomhard, Vorstandschef der Münchener Rück, eines der größten Rückversicherer der Welt. Er hält die bestehende Methode für ausreichend, nach der der Aufsichtsrat die Vergütung der Vorstandsmitglieder festlegt. Auch Continental-Chef Elmar Degenhart sieht das so: "Die Höhe der Summe ist vom Wertbeitrag bestimmt, dem das Gehalt gegenübersteht. Wert ist immer eine Frage der Bewertung, in diesem Fall durch den Aufsichtsrat." Ähnlich argumentieren BASF-Chef Kurt Bock und Vonovia-Vorstand Rolf Buch: Es ist gut so, wie es ist.