Welches Tier könnte besser geeignet sein, die Phänomene der Physik zu erklären, als eine Katze? Nicht nur kennen sich Katzen bestens mit der Schwerkraft aus – sie landen schließlich immer auf ihren Pfoten –, sie tun auch stets nur genau das, worauf sie Lust haben. Katzen sind wahre Antistreber und somit die idealen Vermittler für diese naturwissenschaftliche Disziplin, die nicht nur Kindern, sondern auch vielen Erwachsenen Respekt einflößt. Bei Professor Astrokatz, dem Helden des Sachbuchs Physik ohne Grenzen, muss der Leser nicht fürchten, mit komplizierten Formeln und Fakten gequält zu werden. Sondern kann sich entspannt zurücklehnen und gemeinsam mit dem blauen Kater, der mit Vorliebe Raumanzug samt Glashelm trägt, darüber staunen, wie die Welt funktioniert. Und wo überall Physik drinsteckt.

Was hält ein Flugzeug in der Luft? Wie kommt der Strom in die Steckdose? Und warum können wir Farben sehen? Solchen Fragen geht Professor Astrokatz auf verspielte Weise nach. Um zu verdeutlichen, was Atome sind, lässt er zum Beispiel seinen Assistenten Astromaus ein Stück Käse zerteilen, und zwar so lange, bis nur noch die unteilbaren Grundbausteine übrig sind. Schon Demokrit sei so vorgegangen, jener griechische Philosoph, der sich vor rund 2500 Jahren als einer der Ersten mit den winzigen Teilchen beschäftigte. Allerdings habe Demokrit nur im Kopf geteilt, erklärt der Katzen-Prof.

Professor Astrokatz – Physik ohne Grenzen ist das zweite Buch, das der Physiker Dominic Walliman und der Illustrator Ben Newman gemeinsam erdacht haben. Schon in ihrem Erstling Professor Astrokatz – Universum ohne Grenzen haben sie gezeigt, wie man mit wenigen Worten, klaren Bildern und passenden Analogien komplexe Zusammenhänge einfach vermitteln kann. Allerdings hatten sie damals das Thema auf ihrer Seite: Raumfahrt und die Erforschung des Alls sind für die meisten Kinder per se spannend. Das trifft auf die Physik nicht unbedingt zu – vielleicht ein Grund, weshalb die englische Originalausgabe auf das Wort im Titel verzichtet und stattdessen Atomic Adventures heißt, "Atomare Abenteuer". Der deutsche Titel ist weniger schwammig, und der Mut, die Dinge beim Namen zu nennen, ist durchaus berechtigt.

Denn mit Professor Astrokatz – Physik ohne Grenzen ist dem Duo ein didaktisches Meisterwerk geglückt. Das Buch behandelt auch absolute Grundlagen der Physik, der Naturwissenschaften überhaupt: Messmethoden und Maßeinheiten, Hypothesenbildung und -überprüfung, die Newtonschen Gesetze ... All das wird locker und leicht verständlich erklärt. Der Unterschied zwischen Masse und Dichte etwa ist sofort klar, wenn ein Elefant erst auf einer irdischen Waage sitzt, dann in der Schwerelosigkeit des Weltraums herumfliegt. Dort draußen hat er kaum Gewicht, aber seine Masse, also die Anzahl der Teilchen, aus denen er besteht, ist gleich geblieben.

Man lernt wie nebenbei, und das hat viel mit den humorigen Illustrationen Ben Newmans zu tun, die dieses Sachbuch zugleich zum Bilderbuch machen. Newman arbeitet mit reduzierter Palette, auf großen Flächen, und mit wenigen wiederkehrenden Formen und Farben erzählen seine Bilder kleine Episoden, die Kinder aus dem eigenen Alltag kennen. Da stecken die Hauptfiguren Astrokatz und Astromaus zum Beispiel in gestreiften Pyjamas und streiten um eine Jacke mit Einhorn-Print, wenn es um die Wirkung von Zugkräften geht. Dazu stellt Newman ein liebenswürdig-skurriles Nebenpersonal zusammen, das den naturwissenschaftlichen Fakten die Schwere nimmt: Frösche dürfen rülpsen und mit Silvesterknallern zündeln, Katzendamen machen Yoga auf einem Flachdach, Hasen gehen wellenreiten.

Die vielen Analogien zu finden, mit denen die Bilder komplexe Naturgesetze veranschau- lichen, war sicher auch konzeptionelle Arbeit des Autors Dominic Walliman. Man darf vermuten, dass er und Professor Astrokatz einiges gemeinsam haben. Für Walliman scheint Physik eine Leidenschaft zu sein, die er weitergeben möchte. Er produziert wissenschaftliche Erklärvideos und hat auch schon auf einer TED-Konferenz darüber gesprochen, wie man Siebenjährigen die Quantenphysik erklärt.

Am Ende des Buchs geht die Begeisterung mit Autor und Illustrator dann zwar ein wenig durch. Auf wenigen Seiten versuchen sie noch die vielen ungelösten Probleme der Physik anzureißen: dunkle Energie, Paralleluniversen, Quantenverschränkung. Hier leidet die Verständlichkeit unter der Kürze. Doch immerhin bekommt der Leser eine Ahnung davon, wie viel mehr sich über Naturwissenschaften noch erzählen ließe. Und das lässt auf weitere Astrokatz-Fortsetzungen hoffen.

Dominic Walliman/Ben Newman (Ill.): Professor Astrokatz – Physik ohne Grenzen. Deutsch von Sylvia Prahl. Nord Süd Verlag 2016; 72 Seiten, 22,99 €; ab 7 Jahre