"Der Koran-Unterricht in den Moscheen der konservativen Dachverbände sondert die Kinder bewusst von der Gesellschaft ab. Das soll die Ausbildung einer religiösen Identität ermöglichen, hemmt aber die Kreativität und Selbstentwicklung. Ein islamischer, modern-humanistischer Religionsunterricht in den Schulen könnte den mündigen Umgang mit der eigenen religiösen Identität viel besser anregen. Statt schwarz-weiße Lernkonzepte aus islamischen Ländern zu importieren, würde er die Kritikfähigkeit muslimischer Kinder und Jugendlicher fördern."

Abdel-Hakim Ourghi ist Islamwissenschaftler an der Pädagogischen Hochschule Freiburg.

"Ich bin der Meinung, dass Religionsunterricht in unseren heutigen Zeiten eher wichtiger als weniger wichtig ist, weil es hierbei auch um Gewissens- und Herzensbildung geht – weil es hierbei um mehr geht als nur unser eigenes Leben, sondern auch um den großen Zusammenhang unseres Lebens als (...) Geschöpfe Gottes. Wir spüren in diesen Zeiten auch – ich spüre es jedenfalls –, dass wir immer wieder von Voraussetzungen leben, die wir selber nicht schaffen können, sondern die in unserer Geschichte, in unseren Überzeugungen, unserem Glauben begründet sind und die uns dann auch in die Zukunft tragen und die uns ein Stück weit aus der Ichbezogenheit herausführen. Unsere freiheitliche Grundordnung stellt ab auf eine Freiheit, die immer auch in Verantwortung auf den anderen gedacht ist. Deshalb halte ich gerade auch Religionsunterricht für außerordentlich wichtig."

Bundeskanzlerin Angela Merkel am 23. Januar auf einem Empfang des Bistums Würzburg.

"Katholische, protestantische, sunnitische oder schiitische Kinder gibt es ebenso wenig wie christdemokratische, sozialdemokratische, grüne oder liberale Kinder. Zwar haben Eltern das Recht, ihre Überzeugungen in der Erziehung zum Ausdruck zu bringen, das heißt jedoch nicht, dass ein weltanschaulich neutraler Staat derartige Perspektivverengungen durch Bekenntnisunterrichte unterstützen dürfte. Vielmehr sollte er den Heranwachsenden Zugang zu Wissensquellen ermöglichen, die ihnen zu Hause verschlossen sind. Denn Kinder haben ein Recht auf vorurteilsfreie Bildung. Sie sollten befähigt werden, ihre eigene Sicht der Dinge zu entwickeln. Dies verlangt ein allgemeinverbindliches Fach, in dem sich die Schülerinnen und Schüler unabhängig von ihrer Herkunft mit Fragen der Philosophie, Religion und Politik auseinandersetzen."

Michael Schmidt-Salomon ist Sprecher der religionskritischen Giordano-Bruno-Stiftung.

"Angesichts der Debatten über den Islam, das christliche Abendland und das Zusammenleben in der multikulturellen Gesellschaft stellt sich die dringende Frage: Wäre es nicht besser, ein gemeinsames, werteorientiertes Unterrichtsfach für alle an allen Schulen einzuführen?

Statt auf dem im Grundgesetz verankerten konfessionellen Religionsunterricht zu beharren, setzt sich die Reformbewegung "Wir sind Kirche" für ein verpflichtendes Schulfach Lebensgestaltung/Ethik/Religion ein. Das Fach könnte die Grundlagen legen für ein friedliches Zusammenleben, für die Anerkennung der Würde des Einzelnen und für eine Wertegemeinschaft aller. Zugleich könnte es das Interesse an Gott in der säkularen Gesellschaft neu wecken."

Nobert Scholl ist Religionspädagoge und Mitglied der katholischen Reformbewegung "Wir sind Kirche".