An einem Morgen im Mai 2016 erschrak Patrick Aue. Er saß an seinem Frühstückstisch in Erfurt-Marbach und hörte im Radio, dass eine Moschee gebaut werden solle. Hier, in Marbach. Mit Kuppel. Und Minarett. Da wurde Aue, der sein Geld damit verdient, Schulungen für Betriebsräte in ganz Thüringen anzubieten, wütend.

Acht Monate später, ein Abend Ende Januar im Thüringer Landtag. Sein Protest hat Patrick Aue bis ins Parlament gebracht. In schwarzem Hemd und Sakko nimmt er Platz im Plenarsaal. Vor ihm liegt eine vorbereitete Rede, dazu ein Schild: "Anzuhörender". Aue hat eine Petition eingereicht, er möchte das Baurecht so ändern, dass Moscheen leichter verhindert werden können. In den vergangenen Monaten ist er zum Aktivisten geworden – und der Streit um den Moscheebau in Erfurt zum Konflikt um die Rolle des Islams in Deutschland.

Denn Aue ist kein Außenseiter. Eine große Mehrheit der Thüringer teilt seine Vorbehalte. Der Thüringen-Monitor, eine repräsentative Umfrage im Auftrag der Landesregierung, hat im Oktober ergeben, dass 80 Prozent der Thüringer finden, der Islam gehöre nicht zu Deutschland. 60 Prozent sagen, Muslime würden hierzulande zu viele Forderungen stellen. Und im Nachbarland Sachsen-Anhalt empfahl CDU-Innenminister Holger Stahlknecht muslimischen Verbänden: "Natürlich dürft ihr Moscheen bauen, aber baut sie nicht jetzt."

Die Frage, ob Erfurt-Marbach die Moschee zuzumuten ist, ist auch eine Frage danach, wie viel Islam Deutschland zurzeit verträgt.

Oben, über Patrick Aue, sind die Zuschauerränge während seiner Anhörung voller Marbacher. In der ersten Reihe sitzt ein Mann mit schwarzen Haaren und dunkler Haut und wippt etwas nervös herum. Das ist der Moscheebauer. Suleman Malik, 33 Jahre alt. Malik ist Sprecher der Ahmadiyya-Gemeinde in Erfurt. Für deren Mitglieder – 70 sind es nach eigener Auskunft in Thüringen, davon 30 in Erfurt – soll die Moschee entstehen.

"Ein Grundstück für eine Moschee ist ja genauso schwer zu finden wie eines für ein Atomkraftwerk", sagt Malik. Als würden von Kuppeln und Minaretten giftige Strahlen auf deutsche Christen ausgehen.

Sieben Jahre hat er nach einem Ort gesucht. Dann fand er die Wiese am Ortseingang von Marbach, neben einer Autowerkstatt, dem Quartier des Technischen Hilfswerks und einem Bürogebäude. Das eigentliche Wohngebiet von Marbach beginnt erst ein gutes Stück dahinter. Die Moschee soll auch ein Minarett bekommen, acht Meter hoch. Aber das ist nur Zierde, zum Gebet wird niemand rufen in Marbach. 500.000 Euro soll der Bau kosten, bezahlt aus Spenden von Ahmadiyya-Anhängern in ganz Deutschland. Es gehört zu ihrem Selbstverständnis, ein Sechzehntel ihres Einkommens der Gemeinde zu geben.

Nachdem Malik Ende April dem Pfarrer, der Stadtverwaltung und der Ortsteilbürgermeisterin von den Plänen erzählt hatte, ging alles ganz schnell. Nach ein paar Tagen hingen die ersten Plakate im Ort: "Ne, ne, ne, wir woll’n keine Moschee!" Dann kam die AfD.