Donald Trump versprach seinen Wählern die Rückkehr in eine imaginäre heile Fünfziger-Jahre-Welt. Seine Präsidentschaft belebt indes auch längst vergangen geglaubte Formen des Protests: Die Demonstrationen dieser Tage erinnern an den March on Washington und das Aufbegehren gegen den Krieg in Vietnam. Ja, sogar der Protestsong ist zurück: 30 Anti-Trump-Lieder zählte der Rolling Stone bereits Ende 2016.

Darunter findet sich eine Flaschenpost aus der Vergangenheit, vom größten Folk-Barden der Vereinigten Staaten überhaupt: Woody Guthrie (1912 bis 1967). Berühmt wurde er mit seinem Song This Land Is Your Land von 1940, der Urmutter aller Protestlieder. Er handelt davon, dass die USA allen, wirklich allen gehören. Kürzlich nun barg der amerikanische Literaturwissenschaftler Will Kaufmann folgende Notizen aus dem Guthrie-Archiv in Tulsa:

I suppose / Old Man Trump knows / Just how much / Racial hate / He stirred up / In the bloodpot of human hearts / When he drawed / That color line / Here at his / Eighteen hundred family project ...

"Ich denke / der alte Trump weiß / wie viel / Rassenhass / er aufgewühlt hat / in den Herzen der Menschen / als er eine Linie zog / zwischen Schwarz und Weiß / rund um seinen / Wohnkomplex für achtzehnhundert Familien ..."

Der Komplex in Brooklyn, von dem Guthrie spricht, trägt den Namen Beach Haven. Von 1950 bis 1952 war der Sänger dort mit Frau und Kindern Mieter. Sein Landlord hieß Trump, Fred Trump. Es war der Vater des jetzigen US-Präsidenten, ein Bauunternehmer wie sein Sohn. Guthrie nennt ihn seinen worst enemy, seinen ärgsten Feind.

"Mein Erbe wurzelt im Erbe meines Vaters", verkündete dagegen Donald Trump. Und was für ein Erbe es ist! Fred Trump errichtete seine Sozialwohnanlage nach dem Krieg mit staatlicher Förderung. Sie war gedacht für heimkehrende Soldaten, die, wie Woody Guthrie, gegen Hitler-Deutschland gekämpft hatten. Old Man Trump stand dabei nicht nur im Verdacht, Gelder in Millionenhöhe veruntreut zu haben. Er zog auch jene color line, von der Guthrie schreibt. Schwarze wurden systematisch abgewimmelt; in den Siebzigern kam die Sache vor Gericht.

Woody Guthrie dichtete, angelehnt an seine berühmte Ballade I Ain’t Got No Home, diese ebenfalls von Kaufmann entdeckten Zeilen: Beach Haven looks like heaven / where no black ones come to roam! / No, no, no! Old Man Trump! / Old Beach Haven ain’t my home! – "Beach Haven sieht aus wie der Himmel / in dem es heißt: Schwarze raus! / Nein, nein, nein! Old Man Trump! / Beach Haven ist nicht mein Zuhaus’!"

Aus Guthries Versen machten die US-Künstler Ryan Harvey, Tom Morello und Ani DiFranco im Wahlkampfjahr einen Protesthit. Über seinen Klassiker This Land Is Your Land tobt unterdessen ein Urheberrechtsstreit. Guthries Tochter will verhindern, dass die Rechte frei werden und der Song womöglich demnächst bei Trump-Auftritten zu hören ist. Wie in seiner Inaugurationsrede hatte der die Titelzeile nämlich schon öfter für seinen völkischen Patriotismus missbraucht. "This, the United States of America, is your country!", rief er am 20. Januar von den Stufen des Kapitols.

Als Echo schallt es ihm nun auch aus den fünfziger Jahren entgegen: No, no, no!