Die lauten Jungs machen sich breit in der innerstädtischen Schnellgastronomie. Erst Til Schweiger mit seinem Barefood Deli, dann Tim Mälzer mit der Guten Botschaft. Und nun Steffen Henssler mit seinem Ahoi. Hier liegt der Fall etwas komplizierter, weil am selben Platz in der Spitalerstraße vorher Daniel Wischer war, mehr als achtzig Jahre der Inbegriff der hamburgischen Imbissstube. Entsprechend kursieren Gerüchte, wonach der glatte Henssler den ehrlichen Wischer herausgedrängt habe. Belege dafür wurden bislang nicht publik. Und bei aller Liebe zur Tradition darf man doch fragen, ob der Backfisch das letzte Wort in der schnellen Küche ist.

Das Ahoi will alles sein, nur nicht bieder. Es eröffnete Anfang Februar, mit Hensslerschen Lebensweisheiten an der grauen Wand: "Hauptsache lecker", "Geil Schnitzel", "In Hamburg sagt man Moin".

Wozu ein Spitzenkoch einen Imbiss braucht, erklärte der Chef freimütig: Er hat Fans, die mit seinem Kochstil wenig anfangen können – roher Fisch, igitt! Auch ihnen will er von nun an ein Henssler-Erlebnis bescheren. Er selbst steht in Form einer Fotowand für Selfies zu Verfügung, die Geschäfte im Ahoi führt sein jüngerer Bruder Peter.

Die Speisekarte lässt eine gute Idee erkennen – anstelle des üblichen Allerlei nur "Steffens Top 10" zu kochen, von Wiener Schnitzel bis Garnelen-Tempura. Aber wie es so ist mit solchen Ideen, am Ende sind es doch an die vierzig Posten. Wer sich über die Wasserpreise bei Til Schweiger echauffiert, kann hier gleich weitermachen: 4,50 Euro für ein Schälchen Bratkartoffeln! 14,90 Euro für einen Backfisch! Dafür wird allerdings auch einiges geboten. Die Leute, auf deren Rücken, hihi, "Geschmacksträger" steht, leisten einen Service wie im besseren Restaurant. Die Küche schafft es, auch dann schnell zu liefern, wenn alle 140 Plätze besetzt sind. Das Problem ist nur: Es schmeckt nicht.

Am wenigsten enttäuscht noch der Backfisch, vielleicht weil Henssler ahnte, dass sich darauf alle Wischer-Fans einschießen würden. Unter der recht kompakten Kruste saftiger Kabeljau. Die hausgemachte Remoulade ist prima; auch an den Pommes gibt es nichts zu meckern. Umso mehr enttäuscht gerade das, was Henssler am besten kann: Sushi. Die Lachstatar(!)-Maki zum Mitnehmen: ein fader, pappiger Albtraum. Die Special California Roll: zugekleistert mit Chilimayonnaise und Teriyaki-Sauce.

Auch von den Burgern kann man nur abraten. Der mit frischem Thunfisch schmeckt immerhin dank guter Ware, guter Garung und guter Guacamole. Hier stören nur die absurde Dicke und der durchweichte Boden. Die Variante mit Rindfleisch befremdet mit grobschlächtigen Aromen: Speck, in Sojasauce marinierte Zwiebeln, Tomaten-Relish, scharfer Sauerrahm und wieder einmal Teriyaki-Sauce. Hier spürt man am stärksten das Grundrezept des ganzen Ahoi – man nehme Säure, reichlich Süße und nicht zu wenig Fett.

Henssler-Verächter würden sagen: So macht er das doch immer. Auch im Henssler & Henssler und im Ono servieren sie ja aufgepepptes japanisches Fast Food. Das aber im besten Sinne, mit feinen Produkten und Fingerspitzengefühl. Anscheinend ist es nicht leicht, dieses Konzept auf einen Imbiss runterzubrechen. Wenn man hier gegessen hat, wächst der Respekt vor Daniel Wischer.

Ahoi, Spitalerstraße 12, Altstadt. Tel. 56 78 90, www.ahoibysteffenhenssler.de. Geöffnet täglich von 11.30 Uhr bis 21 Uhr. Keine Reservierungen. Hauptgerichte um 13 Euro