Das wurde gesagt

Auf Dresdens Neumarkt, vorige Woche: Ein Künstler hat eine Installation errichtet; drei senkrecht aufgestellte Busse, die an den Bürgerkrieg in Aleppo erinnern. Eine Bürgerin, die zum Protest gegen dieses Mahnmal hierhergekommen ist, redet in Rage auf ihren Nachbarn ein. Sachsens SPD-Chef Martin Dulig tritt hinzu. Die Frau fragt ihn, wieso Dresdens Gedenken wieder einmal in den Schmutz gezogen werde und wieso der Oberbürgermeister dieses Denkmal unterstütze. Das Video, das diese Szene zeigt, haben wir von dieser Stelle an komplett transkribiert:

Bürgerin: ... das ist das Letzte. Und das fördern Sie!

Dulig: Ich?

Bürgerin: Sie brauchen mich jetzt gar nicht so zynisch fragen, Sie wissen schon, was ich meine.

Dulig: Nein! Sie verallgemeinern.

Bürgerin: Ja, das muss ich doch! Sie verallgemeinern uns doch auch alle als Nazis, als was weiß ich, was wir in Dresden sind.

Dulig: Sie unterstellen mir etwas!

Bürgern: Na ja, ist doch genug gesagt worden von euch! Und damit meine ich euch alle.

Dulig: Wissen Sie ...

Bürgerin: ... Pack, viel schlimmer, den (zeigt symbolisch einen Stinkefinger) hat man gezeigt.

Dulig: Wissen Sie ...

Bürgerin: Das war auch Ihre Partei, glaube ich! Wir sind "Nazis", wir sind alles. Ich zittere! Ich komme nicht hierher, um den Herrn Hilbert (den Oberbürgermeister) zu ehren, das ist für mich sowieso kein Dresdner und kein Sachse. Das kommt ja noch dazu. Was der überhaupt hier will. So was hier anzuordnen.

Anderer Bürger: Doch, der ist wirklich Dresdner. Geborener Dresdner.

Bürgerin: Aber der war irgendwann auch mal weg.

Anderer Bürger: Der war acht Jahre in Köln.

Bürgerin: Als es mir scheiße ging, ist er weg. Dann ist er wiedergekommen. Was will so ein Mensch hier?

Dulig: Wissen Sie ...

Bürgerin: Ich will jetzt keine Erklärungen haben.

Dulig: Wollen Sie mit mir reden, oder wollen Sie mir nur Müll abkippen?

Bürgerin: Ach, sehen Sie! Da sind wir wieder dort. (wird laut) Müll abkippen!

Dulig: Wollen Sie mit mir ...

Bürgerin: Müll abkippen!

Dulig: Ja, Sie reden gar nicht mit mir. Sie wollen mir etwas anscheinend ...

Bürgerin: Ich rede nicht? Was mach ich denn dann?

Dulig: Wollen wir jetzt miteinander reden oder nicht? Wollen wir miteinander reden?

Bürgerin: Nein, ich will nicht mit Ihnen reden. Ich will Ihnen nur mitteilen, dass das ...

Dulig:(lacht)

Bürgerin: Sehen Sie, und das können Sie schön im Fernsehen wieder sagen. Die reden ja nicht mit mir. Die Dame, oder Frau, redet nicht mit mir.

Dulig: Wissen Sie, ich möchte mich ja ...

Bürgerin: Ich bin "Nazi" übrigens, ich geh zu Pegida, da steh ich dazu.

Dulig: Ich möchte mich ja gern mit Ihnen unterhalten.

Bürgerin: Auch wenn’s Ihnen jetzt schlecht wird. Das war’s. Sinnlos.

Dulig: Sie wollen sich nicht mit mir unterhalten.

Bürgerin: Mir braucht das keiner erklären, was hier steht. (zeigt Richtung Busmonument) Ich find’s abartig, und das ist mein letztes Wort.

Dulig: Sie wollen sich nicht mit mir unterhalten?

Bürgerin: Nee, weil ich das gar nicht will. Sie nehmen mich doch eh nicht für voll.

Dulig:(emotional) Ich stehe hier und versuche, mit Ihnen zu reden, und Sie bauen die ganze Zeit selber Argumente auf, warum ich angeblich nicht mit Ihnen nicht reden will.

Bürgerin: Ich will Ihnen nur sagen, dass ich das hier schlecht finde.

Dulig: Das habe ich jetzt verstanden.

Bürgerin: Das begründen Sie mir jetzt, warum das jetzt hier steht.

Dulig: Wissen Sie, ich bin gerade hierhergegangen, weil ich mitbekommen habe, dass ...

Bürgerin: Mitbekommen! Das klingt traurig. Mitbekommen! Das ist doch auch lächerlich.

Dulig: Warum ist das lächerlich?

Bürgerin: Das steht doch lange im Internet, überall, dass hier so was hergebaut wird. Das haben Sie heute mitbekommen, dass der Hilbert (Oberbürgermeister) hier redet?

Dulig: Nein, gestern. Der redet ja nicht jetzt, der redet ja dann.

Bürgerin: Ich weiß, 13 Uhr.

Dulig: Richtig.

Bürgerin: Das hab ich auch mitbekommen.

Dulig: Ja.

Bürgerin:(dreht sich weg) Danke schön.

Andere Bürgerin: Warum redet der hier?

Bürgerin: Der weiht das herrliche Denkmal ein.

Dulig: Warum wollen Sie denn jetzt nicht mit mir reden?

Bürgerin: Na, weil das keinen Sinn hat. Sie verstehen mich nicht, ich verstehe Sie nicht. Sprechen Sie mal den an, der hier dafür ist. Ich will nicht mehr. (geht ab)