Für die Retter des christlichen Abendlands scheint es keine Schamgrenzen zu geben. Oder wie soll man es verstehen, dass in Dresden am Montag rechtsnationale Aktivisten loszogen und einige der kleinen, schimmernden Stolpersteine überklebten, die vielerorts an die Opfer der Schoah erinnern? Jetzt prangten dort schwarze Kreuze auf weißem Grund, dazu die Namen einzelner Dresdner, die allesamt, so war es zu lesen, im "alliierten Bombenholocaust" umgekommen seien.

Stets wenn der Bombardierung Dresdens gedacht wird, kehrt die Debatte zurück, ob in Wahrheit die Stadt nicht völlig grund- und schuldlos zerstört worden sei und also die Deutschen zu Unrecht allein als Täter geziehen würden. Dieses Verlangen, doch bitte auch ein Opfer sein zu dürfen, von aller Schuld befreit, wurde jetzt noch durch ein Kunstwerk bestärkt, das bis in den April gleich neben der Frauenkirche steht und eigentlich nur ein "Zeichen für Frieden, Freiheit und Menschlichkeit" setzen will.

Drei Reisebusse, kopfüber aufgestellt, sollen, geht es nach dem Künstler Manaf Halbouni, an eine Barrikade erinnern, die im umkämpften Aleppo gegen den Kugelhagel errrichtet wurde. Ein Monument, so der Name des wackeligen Kunstwerks, das im restaurierten Dresden dazu aufruft, auch der Kriegstoten in Syrien zu gedenken. Die Empörung war natürlich groß: Gekränkt in ihrem Opferstolz, klagten Pegida-Anhänger, nun werde selbst die deutsche Gedächtniskultur überfremdet. Mächtig brodelte das Ressentiment, viel fehlte nicht, und das Denkmal wäre noch bei der Einweihung umgestürzt und unter allgemeinem Hassgejohle zertrümmert worden.

Lange galt das als Qualitätsmerkmal für Kunstwerke im öffentlichen Raum: je größer der Ärger, desto kühner die Absicht. Und ja, manchmal mag Provokation sinnvoll und vonnöten sein. Doch in Dresden? Hier bricht die Kunst nichts auf, hier bestärkt sie nur: die einen in ihrem ewig-richtigen Wunsch nach mehr Frieden in der Welt und die anderen in ihren dumpfen Hassgefühlen. Eigentlich wollte der Künstler Einsicht stiften, um Mitgefühl werben. Damit ist er gründlich gescheitert.

Das liegt gewiss an der Grundgereiztheit in Dresden, die von wahrem Dialog nichts wissen will. Es liegt aber auch an dieser Art Monumentalkunst, die auf naive Weise vieldeutig und erläuterungsbedürftig ist, also Missverständnisse geradezu befördert. Auch wenn es der Künstler anders wollte, aus seinem Friedensmal ist ein Zeichen des Zwists geworden.