Nach der Entscheidung des Bundesverwaltungsgerichts zur Elbvertiefung sehen sich alle als Sieger: die Stadt, weil die Richter den Eingriff grundsätzlich genehmigt haben. Und die Umweltverbände, weil das Gericht umfangreiche Nacharbeiten angeordnet hat, gegen die sie erneut klagen können. Ob sich beide Seiten auf einen Kompromiss verständigen können, diskutieren hier der Vorsitzende des Nabu Alexander Porschke und der SPD-Fraktionschef Andreas Dressel.

DIE ZEIT: Seit 15 Jahren streitet Hamburg schon über die nächste Elbvertiefung, wie lange wird es noch dauern?

Andreas Dressel: Ich hätte das lieber schon längst umgesetzt. Beim derzeitigen Umwelt- und Planungsrecht kann man sich schon die Haare raufen. Aber wir sind jetzt mit 90 Prozent der Fragen durch. Das Gericht in Leipzig hat sehr klargemacht, wo die noch offenen Punkte sind, da müssen wir nacharbeiten. Das dauert einige Monate bis maximal ein bis zwei Jahre. Ich bin sicher, dass wir noch in dieser Wahlperiode loslegen können.

Alexander Porschke: Und ich glaube, die Elbvertiefung kommt nicht. Seit der letzten Verhandlung bin ich davon noch überzeugter.

ZEIT: Das Gericht hat in seiner Entscheidung zwei Probleme bemängelt, über die seit Jahrzehnten gesprochen wird: den Schierlings-Wasserfenchel und die Ausgleichsflächen. Warum hat die Stadt dafür nicht rechtzeitig Lösungen gefunden?

Dressel: Es gibt in diesem Planverfahren meterweise Akten. Da ist es schwer abzusehen, wo man noch mal nachbessern muss. Der Nabu und seine Mitstreiter können sich zugute halten, dass die Planung heute eine andere ist als vor 10 oder 15 Jahren. Die Naturschutzverbände haben alle Beteiligten angespornt und durchaus etwas für die Natur rausgeholt. Bei aller Kritik ist das etwas, worauf sie stolz sein können. Die Planungsbehörden mussten immer wieder nachbessern, aber man sollte zu deren Ehrenrettung auch sagen, dass innerhalb dieser ganzen Zeit die rechtlichen Anforderungen ständig gestiegen sind.

ZEIT: Was ist eigentlich so schwer daran, Ausgleichsflächen zu finden?

Dressel: Die strittige Ausgleichsfläche Kreetsand war für etwas komplett anderes geplant und wurde nachträglich ins Verfahren zur Elbvertiefung eingeführt, weil man festgestellt hat, man kann sonst nicht genug für den Schierlings-Wasserfenchel tun. Damit wollte die Stadt mehrfach beschummeln: zuerst die EU-Kommission, indem man ihr Pläne ohne Angaben von Wassertiefen geschickt hat und sie somit nicht überprüfen konnte, ob die Pflanze dort überhaupt wachsen kann. Als die Planer nach mehreren Mahnungen des Gerichts endlich mit Wassertiefen kamen, fiel auf, dass viele Stellen für den Schierlings-Wasserfenchel viel zu tief waren. Und jetzt haben sie schon wieder geschummelt: Sie erklären eine Maßnahme, die ohnehin vorgesehen ist, zu einer zusätzlichen Maßnahme.

ZEIT: Herr Porschke spricht vom Beschummeln, ein Richter nannte es Etikettenschwindel, das sind heftige Vorwürfe.

Dressel: Alle Unterlagen sind ja einsehbar, da wird nichts heimlich wegargumentiert. In einer verdichteten Metropolregion gibt es Ausgleichsflächen eben nicht wie Sand am Meer. Und wir haben keine Schublade, in der zehn Alternativen drinlägen. Das ist jetzt unsere Hausaufgabe.

Porschke: Seit Beginn der Planung hat es 10, 15 Nachbesserungen gegeben. Noch in der Verhandlung im Dezember zwei zusätzliche ...

Dressel: Das ist doch ein Erfolg für Sie.

Porschke: Natürlich. Aber es kann doch nicht angehen, dass die Behörden so planen, dass sie immer gerade das noch einräumen, wo man ihnen einen Mangel nachgewiesen hat. Es muss doch eine Planung geben, die von vornherein angemessen ist.