DIE ZEIT: Sie sind der administrative Koordinator einer Forschungsstation der Uni Würzburg im Comoé-Park in der Elfenbeinküste. Warum dauerte es 27 Jahre bis zur offiziellen Eröffnung?

Erik Frank: Dem Gründer, Eduard Linsenmair, wurden viele Steine in den Weg gelegt. Obwohl er Anfang der neunziger Jahre Fördergeld hatte, dauerte es neun Jahre, alle bürokratischen Hürden zu beseitigen. 2003 war die Station fertig, dann brach ein bewaffneter Konflikt aus, der erst 2011 endete.

ZEIT: Was ist in der Zeit passiert?

Frank: Die Station liegt direkt am Comoé-Fluss, der Rebellen- und Regierungstruppen voneinander trennte. Kurz nach Beginn des Kriegs wurde sie von beiden Seiten ausgeraubt, der Schaden lag bei über zwei Millionen Euro. Aber die Grundmauern standen noch, der Brunnen war intakt. Als das Land 2011 wieder stabil war, begann Linsenmair mit dem Aufbau. 2013 war ich der erste Forscher, der dort wieder langfristig arbeitete. Mit der Eröffnung haben wir es noch nicht geschafft, es fehlt weiter an Ausrüstung und Innenausstattung.

ZEIT: Was macht den Park so schützenswert?

Frank: Seine biologische Vielfalt, er zählt zum Weltnaturerbe. Der Comoé fließt vom Norden bis in den Süden des Landes. An seinen Ufern wachsen Wälder, in denen Tiere und Pflanzen leben, die sonst nur in Tieflandregenwäldern vorkommen. Hier lassen sich einmalige Interaktionen beobachten. Savannen werden häufig von der Forschung ignoriert: Sie sind oft durch regelmäßige Brände vom Menschen stark beeinflusst. Als die Hotspots biologischer Vielfalt gelten tropische Regenwälder.

ZEIT: Sind Savannen deswegen unwichtiger?

Frank: Nein, nur anders. Sie sind enorm divers, mit einzigartigen Anpassungen von Tieren und Pflanzen an lange Trockenzeiten und Brände. Dort leben Ameisen mit hochkomplexen Jagdstrategien und ein Gramm schwere Frösche, die monatelang in praller Sonne überleben.

ZEIT: Waren Tiere vom Konflikt bedroht?

Frank: Die Wilderer töteten alles, was man essen konnte. Säugetiere wurden extrem dezimiert, aber sie erholen sich, auch dank der Forscherpräsenz, offenbar schneller als erwartetet. Ich bin eigentlich Pessimist, aber im Bezug auf den Park nicht mehr.