Über exorbitante Managergehälter darf man sich zu Recht aufregen. Schade ist nur, dass die Debatte bei Konzernchefs so emotional geführt wird, während sie bei anderen Groß- und Größtverdienern praktisch gar nicht stattfindet. Bei Fußballstars zum Beispiel. Dabei ist deren individueller Beitrag zum Wohl der Gesellschaft nicht weniger fragwürdig.

Verdient Cristiano Ronaldo die 82 Millionen Dollar, die er Forbes zufolge im vergangenen Jahr kassierte? War Lionel Messi tatsächlich 77 Millionen Dollar wert? Kann Zlatan Ibrahimovic von seinen bescheidenen 37 Millionen Dollar noch menschenwürdig fürs Alter vorsorgen? Und weil man auch Manager sonst gern mit Normalverdienern vergleicht: Der gewöhnliche Hobbykicker steht jedes Wochenende für lau auf dem Platz. Verglichen mit dem Durchschnittslohn in seiner portugiesischen Heimat bekommt Ronaldo etwa das 3.280-Fache. Wenn der Vorstandschef eines Konzerns mit fünf Millionen Euro im Jahr überbezahlt ist, gilt das für die Spitzenkicker umso mehr. Sie sollten lieber dankbar sein, dass sie ihr Hobby zum Beruf machen konnten.

Dass Spieler, die mehr Geld verdienen, oft auch mehr Tore schießen, hat der Dortmunder Organisationsforscher Uwe Wilkesmann ermittelt. Astronomische Summen rechtfertigt das aber nicht. Die Erklärung hat der Nobelpreisträger George Akerlof 1976 in seinem Beispiel vom Rattenrennen geliefert. Auf Fußball bezogen heißt das: Geben alle Vereine mehr Geld aus, erhöhen sie damit nur ihre Kosten. Der Fußball wird nicht besser, nur die Spieler werden reicher. Ronaldo würde also genauso gut (oder schlecht) spielen, wenn er mit 200.000 Euro im Jahr der bestbezahlte Kicker der Welt wäre. Alles andere ist Legende.

Hohl wie Managerphrasen ist auch das Mantra vom Fußballer als Botschafter des Friedens. Wie gut das klappt, war ja erst kürzlich auf der Dortmunder Südtribüne zu beobachten. Gnädig übersehen wird auch, dass es selbst Spitzensportlern wie Messi nicht immer gelingt, bei all dem gesellschaftlichen Engagement ihre Steuern zu bezahlen. Beim Sport verschwindet der Volkszorn ebenso wie der Groll der SPD, die den Maxilohn fordert – aber nur für Manager. Dabei ist Gier überall zu finden: in den Vorstandsetagen ebenso wie auf dem Fußballplatz.