Trump. Tatsächlich Trump. Als Wang Dafu an einem sonnigen Novembertag auf das Deck seiner italienischen Jacht steigt, ist die Nachricht, dass Donald Trump zum 45. Präsidenten der USA gewählt worden ist, nur wenige Stunden alt. Wang hat eine Handvoll Journalisten eingeladen, eigentlich will er mit ihnen aufs Südchinesische Meer fahren und über die schönen Dinge des Lebens sprechen: Jachten, Sportwagen, Privatjets. Aber jetzt ist die Nachricht in der Welt. Die Journalisten können es nicht fassen: Amerika, die alte Supermacht, hat gerade einen großspurigen Immobilientycoon zum Präsidenten gemacht. Und nun sitzen sie in China, der neuen Supermacht, einem großspurigen Immobilientycoon gegenüber. Da schreibt sich die Story ja praktisch von selbst.

Aber Wang, 48, spielt nicht mit. Er will nicht über Politik reden, nicht mal übers Geschäft. Lieber über Zigarren. Er greift nach einem Cutter und schneidet sich eine kubanische Trinidad an, das sind die Zigarren, die Fidel Castro früher an Gäste verschenkte und die es erst seit wenigen Jahren im Handel gibt. Oder über Kognak. Abends wird er Louis XIII kredenzen, einen der teuersten Weinbrände der Welt. Also gut, sagt Wang dann widerwillig, ein bisschen könne man schon über Geschäftliches sprechen. Er macht eine dramatische Pause, indem er eine Rauchwolke in die Luft bläst. "Es läuft nicht so gut", sagt er schließlich. Für seine Verhältnisse ist das ein Offenbarungseid.

In seinem Land werden viele Reiche immer reicher. Er nicht. Das wurmt ihn gewaltig

Wang Dafu ist reich. Der Hurun-Report, ein Shanghaier Reichen-Ranking, schätzt sein Vermögen auf eine halbe Milliarde Dollar. Wang ist Gründer des chinesischen Immobilienunternehmens Visun und mit Wohnanlagen und Hotels zu Geld gekommen. 2012 gehörte er dem Hurun-Report zufolge noch zu den 500 reichsten Chinesen. Heute rangiert er abgeschlagen auf Platz 1.267. In China werden viele Reiche immer reicher. Er nicht. Er droht den Anschluss zu verlieren. Das wurmt ihn gewaltig. Schließlich gaben ihm seine Eltern einst den Namen Dafu, "großer Reichtum". Dem muss er gerecht werden.

Ein Donnerstag im Dezember, Wang sitzt unter einem Messezelt in Sanya, einer Küstenstadt auf der Tropeninsel Hainan, südlich des chinesischen Festlands. Er fächelt sich Luft zu. Gleich wird er eine Eröffnungsrede halten. Er hat sich rausgeputzt, steckt in schwarzen Lackschuhen, einer weißen Hose und einem goldfarbenen Seidenhemd. Die Messe, die Wang gleich eröffnen wird, ist seine eigene, sie soll ihm helfen, wieder ganz oben mitzuspielen in der Liga der Superreichen. Sie heißt China Rendez-Vous. Wang steigt auf die Bühne und greift nach dem Mikrofon. Eröffnungsreden sind in China oft schmerzhafte Veranstaltungen, allein das Begrüßen der Honoratioren kann sich ziehen wie Kaugummi. Wang aber sagt nur zwei, drei Sätze, sinngemäß: Schön, dass ihr da seid, jetzt habt Spaß. Dann lässt er den Korken einer Flasche Moët & Chandon knallen und befüllt damit eine Pyramide aus Champagner-Gläsern.

Der Grund für Wangs Problem ist die Branche, in der er tätig ist. Immobilien waren lange das Zugpferd des chinesischen Wirtschaftswachstums. Doch seit einigen Jahren versucht die Regierung, den überhitzten Markt unter Kontrolle zu bringen, etwa indem sie den Kauf von Zweitwohnungen erschwert. Schlechte Zeiten für Baulöwen. Also hat Wang sich etwas ausgedacht, um dranzubleiben am großen Reichtum: Er verkauft den Chinesen Luxus und Lifestyle. Auf seiner Messe bietet er all die Dinge an, die edel und vor allem teuer sind: Jachten, Juwelen, Jets.

Das Prinzip der China Rendez-Vous ist simpel. Westliche Luxusfirmen verkaufen, chinesische Kunden kaufen. Das Messegelände erstreckt sich entlang einer Promenade. Überall stehen Firmenstände, im Hafen ankern Jachten. Wang betreibt in Sanya auch den Visun Royal Yacht Club, mit angeschlossener Marina. Er verdient also an den Chinesen, die sich auf der Messe einen Motorkreuzer kaufen und ihn in seinem Jachthafen parken. Wenn auch noch der Plan der Regierung aufgeht und es ihr gelingt, Hainan als "Chinas Hawaii" zu einem Hotspot für Wassersportfans aus aller Welt zu machen, könnte sich der Jachtclub zu einer Goldgrube entwickeln. Doch danach sieht es im Moment nicht aus. Die Vertreter der europäischen Jachtbauer, die zur Messe angereist sind, klagen über schlechte Geschäfte.

Womit Wang nicht rechnet, als er die China Rendez-Vous im Jahr 2010 gründet, ist, dass ihm die Politik einen Strich durch die Rechnung macht. Der Vorsitzende der Kommunistischen Partei (KP), Xi Jinping, ruft 2012 die größte Anti-Korruptionskampagne in der Geschichte der Volksrepublik ins Leben. Fast 200 000 Parteimitglieder wurden seither wegen des Verdachts auf Bestechung untersucht, viele sind aus der Partei ausgeschlossen und zu Gefängnisstrafen verurteilt worden: einfache Funktionäre, hochrangige Militärs und sogar ein Mitglied aus dem Ständigen Ausschuss des Politbüros, dem innersten Machtzirkel der KP. Für Wangs Messe ist das Gift; Luxusgüter verkaufen sich nicht mehr so gut. Laut der Unternehmensberatung Bain & Company gaben die Chinesen 2015 rund 17 Milliarden Dollar für Luxusgüter aus, zwei Prozent weniger als im Vorjahr. Schon 2014 waren die Verkäufe gesunken. Dass Wangs Messe nicht so gut läuft, dass Journalisten berichten, sie hätte ihren Glamour-Faktor verloren, liegt aber nicht nur an Chinas Kampf gegen Korruption.