Um den Schock, die Fassungslosigkeit, die Wut zu verstehen, mit denen ein amtierender Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika, also Donald Trump, auf das Verschwinden einer Frauenschmuck- und Konfektionslinie, also "Ivanka Trump", aus amerikanischen Kaufhäusern reagiert hat (#terrible), muss man die Geschmeidigkeit verstehen, mit der in der Trump-Family, also Konzern und Familie, das Private und das Öffentliche umeinandergleiten.

Zu den Fakten: Bei Redaktionsschluss meldete die Presse, aus den Kaufhausketten Nordstrom und Sears und zwei weiteren Kaufhäusern seien Artikel der Produktlinie "Ivanka Trump" verschwunden. Zur Genealogie: Die Produktlinie "Ivanka Trump" (Klunker und Klamotten) gehört Ivanka Trump, der jungen blonden Frau an der Seite von Donald Trump, die seiner quasiblonden Frau Melania Trump, die meist nicht an seiner Seite ist, ähnlich sieht, wenn sie auch jünger ist – so wie Melania Trump der blonden Mutter von Ivanka ähnlich sieht, also Ivana Trump, aber jünger ist, und Ivanka ihrer Schwester Tiffany ähnlich sieht, die jünger ist als Ivanka, aber auch blond. Okay?

Stichwort Tiffany. Tiffany ist eigentlich ein Schmuckladen auf der Fifth Avenue in Manhattan. Der sündige JFK kaufte hier einst stilsicher für seine Gattin Jackie Jean-Schlumberger-Armreifen (price tag circa 40.000 Dollar) – das Gebäude ist eine sechsstöckige, fein ziselierte Granitschatulle, neben der sich der Trump Tower aus schwarzem Glas 58 Stockwerke hoch erhebt. Trump hatte Tiffany die Luftbebauungsrechte abgekauft, dann das im Trump Tower geborene Mädchen Tiffany genannt. Dessen Schwester bekam im Tower ihren eigenen Schmuckladen – "Ivanka Trump"!

Maximalpräsentation ihres Schmucks: Ivanka Trump als Model © Ivanka Trump

Auf der "Ivanka Trump"-Homepage sieht man Ivanka Trump in einem dekolletierten ärmellosen Kleid in einer geschmeidigen Pose dasitzend, das rechte Bein über das linke geschlagen, das angewinkelt ist, der Fuß ruht fast unter dem Po, der linke Arm führt hinunter zum linken Knie, der rechte ist angewinkelt und mit der Hand auf dem linken Oberarm abgestützt, der Oberkörper ist leicht vorgebeugt – klingt kompliziert, erlaubt aber eine Maximalpräsentation eines Armbands (linker Arm), eines Rings (rechter Arm), eines Kettchens sowie zweier lang gezogener Ohrringe.

Die Produktlinien heißen Metropolis oder Patras und bestehen meist aus Diamanten, die aneinandergereiht sind. Ringe ab 1.000 Dollar, Ohrringe bis zu 6.000, dann aber mit Rubin. Stil? Wie Thomas Sabo, also Kaufhaus. Es gibt eine Taschenlinie, Stil wie Céline, mit ausgeklappten Ohren, aber billiger. In der Schuhkollektion findet sich viel dramatisch um die Fesseln Geschnürtes, Stil wie Alaïa oder Jimmy Choo, aber nicht so teuer. Bezüglich der Kleider der Marke "Ivanka Trump" gab es Beschwerden, sie seien Haute-Couture-Stilkopien. Na ja. Es sind nette Kleider für nette junge Frauen, die sich wie Ivanka stylen, die sich als berufstätige Mutter stylt, die sich morgens ein Shiftkleid überstülpt und los, hupps, fast hätte sie den Mantel vergessen.

Auf einem Tweet dieser Woche (@realDonaldTrump) anlässlich des Staatsbesuchs des kanadischen Premiers Trudeau sah man Ivanka im dunklen Mantel (ziemlich "Ivanka Trump"-Style) neben Papa, das Gespräch, so der Präsident, habe "berufstätige Frauen" zum Thema gehabt. Erstaunlich. Die Welt hatte gedacht, es ginge um Handel. So wie im Zank mit China – wo Ivanka Trump fertigen lässt, jetzt aber versprochen hat, die Arbeitsplätze zurück nach Amerika zu holen. Wo man ihre Sachen aus den Regalen geräumt hat, mit der etwas stillosen Erklärung, sie verkauften sich nicht.

In echt? Ladenhüter? Der Ivanka-Stil? Der auf jeder Highstreet weggeht? Sehr unwahrscheinlich. Wahrscheinlicher, dass es Papa war, der die Kunden verschreckte. Kaum war sein Wort vom Pussy-Grabbing raus, formierten nicht so nette junge Frauen eine Boykott-Bewegung: #grabyourwallet. Auf der Website stehen Listen von Shops, die "Ivanka Trump" führen, dann die Liste der Shops, die "Ivanka Trump" nun nicht mehr führen – letzter Stand der letzten Liste: 20. Make America great again! Also anders als gedacht.

Man muss mit Ivanka nicht zu viel Mitleid haben. Die sich zu Tropfen, Kreisen und Halbmonden formenden Juwelen wird sie los. Ihre Website listet "Ivanka Trump"-Boutiquen in Kuwait, Saudi-Arabien, Katar, in den Arabischen Emiraten auf. Plus Puerto Rico. Und Kanada! Glücklicherweise keines der Länder, deren Bürger der Papa mit Einreisebann belegt hat. Wie twitterte er so schön über Ivanka – "schubst mich immer in die richtige Richtung!"

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