Renaissance und Reformation (15.–17. Jh.)

Der Mensch wird in der Renaissance neu entdeckt und als Individuum wahrgenommen, die Allmacht Gottes wird infrage gestellt. Bildung soll den Stellenwert erhalten, den im Mittelalter die Suche nach dem göttlichen Heil eingenommen hat.

Giovanni Pico della Mirandolas Über die Würde des Menschen von 1486 gilt als Geburtsstunde der modernen Pädagogik.

Die Reformationsbewegung fordert erstmals, das ganze Volk zu alphabetisieren. Es entstehen Schulordnungen und erste verbindliche Lehrpläne.

Der kleine Katechismus von Martin Luther wird über Jahrhunderte in der protestantischen Schulbildung, vor allem aber auch im Familienalltag eingesetzt. Die Kinder sollen zu bescheidenen, fleißigen, gehorsamen Menschen erzogen werden.

1592  führt das calvinistische Herzogtum Pfalz-Zweibrücken als weltweit erster Staat die Schulpflicht ein.

Aufklärung (17.–18. Jh.)

Das Vertrauen in die Vernunft erlangt nun einen höheren Stellenwert als der Glaube an Autoritäten. Das zeigt sich in Immanuel Kants Definition von Aufklärung als Selbstaufklärung – als Weg des Menschen "aus seiner selbst verschuldeten Unmündigkeit".

Für John Locke ist der Mensch bei seiner Geburt ein leeres Blatt. Erst durch die Bildungserziehung werde es beschrieben.

In seinem pädagogischen Hauptwerk L’Émile ou de l’éducation zeigt Jean Jacques Rousseau am Beispiel eines Musterknaben, wie komplex und widersprüchlich Erziehung ist. Er definiert die Kindheit als etwas Kostbares.

19. Jahrhundert

Aus einzelnen Schulen wird ein Schulsystem, die Schulpflicht wird eingeführt. Universitäten, Bibliotheken und Museen werden gegründet. Der Staat wird zum maßgeblichen Akteur im Bereich Bildung und Erziehung.

Das Leben bildet
Johann Heinrich Pestalozzi

Johann Heinrich Pestalozzi prägt als Erster eine ganzheitliche Elementarpädagogik, indem er fordert, bei Kindern sowohl den Kopf als auch das Herz sowie die Hände zu fördern.

Im thüringischen Blankenburg gründet Friedrich Fröbel 1840 den ersten Kindergarten. Der Pädagoge misst dem Spiel in der Erziehung großen Stellenwert bei. Seine Idee macht weltweit Schule, was auch der Export des Wortes etwa ins Englische zeigt.

In der wilhelminischen Erziehung Preußens sind dagegen körperliche Züchtigungen Alltag. An den Schulen sind Spiele und Sport militärisch geprägt und finden nach Geschlechtern getrennt statt.

Frühes 20. Jahrhundert

Als Antipode entwickelt sich die Reformpädagogik, die dem Drill ein selbstständiges, kreatives Lernen entgegensetzt. Waldorfschulen und Jenaplan-Schulen entstehen.

Das Leben anzuregen – und es sich dann frei entwickeln zu lassen – hierin liegt die erste Aufgabe des Erziehers
Maria Montessori

Die italienische Ärztin Maria Montessori entwirft Lernmaterialien und gründet "Kinderhäuser".

1908 dürfen erstmals Frauen in Deutschland studieren.