Donald Trump ist ein Glücksfall – für die extremen Linken, für die Antiglobalisierer, für die Antikapitalisten. Der amerikanische Präsident ist ein prächtiges Feindbild. Ein Feindbild, das radikale Gruppen mit dem gemäßigten Lager, den liberalen Demokraten, teilen. Bessere Voraussetzungen könnte es also nicht geben für einen großen, ideologieübergreifenden Protest, wenn Donald Trump im Juli zum G20-Gipfel nach Hamburg kommt.

Könnte man meinen.

In einem Hörsaal der Universität wurde am vergangenen Samstagmittag jedoch ziemlich deutlich, dass aus der Allianz von Liberalen und Radikalen wohl doch nichts wird. Ein Zusammenschluss ist möglich, Trump einigt alle. Aber ein Zusammenschluss ist ziemlich unwahrscheinlich. Dafür befassen sich die Aktivisten weiterhin viel lieber mit ihren ureigenen Feinden: dem Kapitalismus zum Beispiel.

Kapitalismus, das sei schließlich Krieg und Krise, zum Vorteil weniger und zum Übel aller anderen, sagt Thomasz Konicz. Konicz ist Autor, steht vorn am Rednerpult, wo sonst der Professor steht, und warnt vor der Systemkrise. Und da, wo sonst die Studenten sitzen, haben sich 400 Menschen versammelt, die ähnlich über den Kapitalismus denken wie er. "Wenn es uns nicht gelingt, die heutige Gesellschaft zu überwinden, droht uns Barbarei wie in einem Szenario zwischen Mad Max und 1984", sagt Konicz. Also entweder: ein Albtraum aus Gewalt und Gemetzel. Oder totalitäre Unterdrückung. Dann geht Konicz ab.

Der Autor ist auf Einladung eines Bündnisses nach Hamburg gekommen, das gegen den G20-Gipfel mobilisiert. Linke Aktivisten, Internationalisten, Antifaschisten, Studenten und Rentner. Ihre Losung: "G20 entern – Kapitalismus versenken".

Es wird eine ganz große Sache: Die Regierungschefs der 20 wichtigsten Industrie- und Schwellenländer werden am 7. und 8. Juli nach Hamburg kommen. Mit ihnen die Finanzminister der G7-Länder, die Chefs der Vereinten Nationen, der Weltbank, des Internationalen Währungsfonds und der OECD sowie 6.000 Delegierte. Die Hamburger Polizei rüstet sich mit etwa 15.000 Beamten für einen der größten Einsätze ihrer Geschichte. Es werden bis zu 100.000 Demonstranten erwartet.

Der Nachmittag an der Universität ist dazu da, den Protest inhaltlich vorzubereiten. Das heißt: Man kann den Aktivisten beim Denken zuschauen. "Wir wollen Alternativen anbieten zu einer Welt voller Ausbeutung und Krieg", sagt ein Mann, der sich Timo Möller nennt. Er engagiere sich seit Jahren in antifaschistischen Gruppen, sagt er, und sei einer der Sprecher des "G20 entern"-Bündnisses. Möller sagt weiter: "Die Kriege kommen näher, die Einschläge werden dichter, und das südliche Europa verkommt zusehends zur Dritten Welt." Er schlussfolgert: "Dafür verantwortlich sind die, die sich im Juli in Hamburg treffen. Der Gipfel ist ein Klassentreffen von Imperialisten und Kapitalisten, und für uns ist er somit ein Symbol, das wir bekämpfen wollen."