Diese Woche unübersehbar: Bäuche! In Gold glänzend, prallrund, der eine, ins Bild gesetzt am Sonntag bei der Verleihung der Grammys, vor den Augen der Welt: die schwarze Sängerin Beyoncé, schwanger mit Zwillingen, und ein Mädchen hat sie schon, das sitzt, obamalike, beim Vater im Publikum.

In Strahlendweiß, bereits mittelrund, der andere Bauch der Woche, vor die Kameras getragen bei der Wahl des Bundespräsidenten im Reichstag, vor den Augen der Deutschen: die AfD-Politikerin Frauke Petry, im kurzen Kleidchen, vierfache Mutter, und bitte sehr, hier kommt ihr fünftes Kind.

Das darf man weiblich selbstbestimmt nennen, die Frau entscheidet, wann und wohin geguckt werden soll und von wem: Jetzt! Alle! Auf den Bauch! Schwangerschaft ist das unweigerlich Sichtbare des sexuellen Menschen, in alternden Gesellschaften ist sie der verkörperte Verweis auf die Zukunft, und sie offensiv zu zeigen ist heute ein politischer Akt.

Als wäre nicht ohnehin gerade vieles verwirrend, diese Bilder der werdenden Super-Mütter sind es gewiss. Moderne Weiblichkeit war mal eindeutiger konzipiert. Entweder rechts, dann war sie häuslich-apolitisch, mütterlich warm, ehelich, sexuell möglichst entschärft, fernes Leitbild: Mutter Maria. Oder links, dann war sie öffentlich, politisch, meistens kinderlos, sexuell befreit, zumindest die Brust: wie Marianne, Symbol der Französischen Republik, fernes Leitbild. Dritte Variante, vereinzelte Exemplare: kinderlos, hochpolitisch, mal mit, mal ohne Kostüm oder Raute, plus/minus hochhackig, Merkel, nun May. Dazwischen ein paar bahnbrechende Experimente, verzweifelt vereinzelt, von der Leyen, Schwesig. Sonst viel Ambivalenz, Kompromiss und viel Adoption, viel Scheidung, viel Einsamkeit.

Nun, gewiss seit Sonntag, sind die Symboliken des öffentlichweiblichen Körpers anders kollagiert, rechts und links runden sich neu: Inszeniert im Strahlenkranz, mit goldenem Haarschleier, ein wenig Madonna, ein wenig Fruchtbarkeitsgöttin, bisschen Sonnengott, etwas Sphinx, zeigt Beyoncé ihren sagenhaft sexualisierten Mutterkörper der Welt und erklärt in ihrer Rede sodann, diese Fruchtbarkeit sei politisch. Ihr "body of work", der Korpus ihrer Kunst, solle machtvolle Bilder schaffen, in denen ihre Kinder sich wiedererkennen können, ob im Weißen Haus oder in Grammys. Verkörperte Freiheit, machtgewordenes gleiches Bürgerrecht. Beyoncé bringt sonnenköniglich Kinder zur Welt, gleich zwei, solche, von denen die Rassisten aller Zeiten genau wussten, es seien zu viele, karnickelhaft.

Und Frauke Petry, Repräsentantin einer für biodeutsche Familien getapten Staatsidee, zeigt in ihrer "dämonischen Schönheit" (Neu-Ehemann Markus Pretzell) zugleich, dass die Macht in kindlich unschuldigem Weiß auftreten kann, um im Wahlkampfmodus einen Neuanfang in die Welt zu bringen, mit noch einem Kindersitz hinten im Auto, Beruf und Familie, das geht schon, wie es die ostdeutschen Frauen ja immer schon hingekriegt haben. Rechts oder links, privat wie politisch: Der Bauch gehört ihr.

Je knapper die Kinder der westlichen Welt, je älter die Wähler, je ängstlicher die weißen Enttäuschten, desto politischer wird das Kind. Das mal der Inbegriff des Unikats war, kaum zu glauben.