Wahrscheinlich war die Versuchung zu groß – und die eigene Fantasie auch ein wenig beschränkt: Kaum hatte der populistische Donald Trump das Rennen um das Weiße Haus für sich entschieden, kaperte schon der österreichische Wirtschaftsfunktionär Christoph Leitl den zentralen Slogan des Amerikaners. " Make Austria Great Again! " prangte auf der Bühne, von der aus er im November vergangenen Jahres wieder mal mehr freien Markt forderte. Tolle Idee!

Damals erntete das billige Plagiat noch jede Menge Spott. Doch mittlerweile setzt sich auch in Österreich eine Abart des Trumpismus langsam durch. Bei den einen ist die Nähe offenkundig: Die Freiheitlichen sehen sich durch den umstrittenen Haudrauf-Politiker bestätigt – in ihrer strikten Ablehnung all dessen, was an Multikulturalismus erinnert, in ihrer ziemlich offenen Sympathie für Wladimir Putin und in ihrer Abneigung einer transnationalen Europäischen Union.

Doch sie sind nicht allein. Im Kampf gegen Ceta und TTIP sind FPÖ, Grüne und weite Teile der SPÖ vereint. Per Volksbegehren sollte ein Verfassungsgesetz erzwungen werden, das der Bundesregierung die Unterzeichnung eines solchen Freihandelsabkommens mit Kanada oder den USA untersagt. Das folgt ganz dem Vorbild von Trump, der gültige Abkommen dieser Art aufkündigen und neue keinesfalls abschließen will.

Wenn es um den Kampf gegen die Logik der Globalisierung geht, dann überwinden linke Kapitalismuskritiker und die mit ihnen verbündeten Grünen alle Hemmungen und reihen sich ein in eine Front mit Trump und FPÖ-Chef Heinz Christian Strache. Dann ist das Bekenntnis der Grünen zu "Mehr Europa" plötzlich nichts mehr wert: Österreich soll entscheiden, nicht Europa. Österreich zuerst!, so wie es seinerzeit schon die Haider-FPÖ plakatiert hatte.

Auf dieser Basis findet sich die Rechte, die sich offen zu Donald Trump bekennt, mit der Linken wieder, die Trump zwar ganz schrecklich findet – nur dann nicht, wenn der Herr im Weißen Haus seine nationalistischen Töne gegen das Zusammenwachsen der Welt trompetet. Offenbar wecken Trumps Attacken gegen das "Establishment" und gegen das "System" bei manchen Erinnerungen an die eigene Jugend in den bewegten Jahre nach 1968.

Sobald es um Freihandel geht, fallen die Grünen in die Kleingeisterei zurück. Da spielt ein latenter Antiamerikanismus ebenso mit wie ein Antimodernismus, der sich an den Maschinenstürmern des 19. Jahrhunderts orientiert. Die Grünen stört es offenbar nicht, dass sie dadurch Partei für die Positionen eines Donald Trump ergreifen.

Das mag man für die Freiübung einer Opposition halten, die sich Dinge leistet, die leicht als Dummheit entlarvt werden könnten, äußerte sie eine Regierungspartei: Sie ergeht sich in billigem Populismus, selbst wenn dies dem eigenen Bekenntnis zur europäischen Einheit widerspricht. In der Opposition muss der Wahrheitsbeweis ja nicht angetreten werden. Nur: Der Versuch der Grünen, sich als österreichische Europa-Partei zu präsentieren, verliert so an Glaubwürdigkeit.

Doch auch die Regierung in Wien ist nicht frei von Anleihen an den Trumpismus. Die ÖVP will sich in ihrer Politik des Ausgrenzens aller Fremden weder von dem US-Protektionisten noch von der FPÖ übertreffen lassen. Also fordert sie die Verringerung von Asylquoten – selbst wenn die alten noch gar nicht ausgeschöpft sind. Von Fragen der Menschenrechte und der Mitmenschlichkeit lässt sie sich, obwohl rhetorisch irgendwie einem christlichen Erbe verpflichtet, in ihrer Politik nicht beeinträchtigen. Nach Hinweisen auf völkerrechtliche Verpflichtungen, etwa jene der Genfer Flüchtlingskonvention, sucht man in den Reihen der ÖVP vergeblich.

Da erklärt der Integrations- und Außenminister Sebastian Kurz, nachdem er und seine Partei ein Verschleierungsverbot im öffentlichen Raum durchgesetzt haben, er werde "an dem Thema dranbleiben" – also noch mehr Symbolpolitik zur Befriedigung irrationaler Abgrenzungsängste. Ein Blick auf die Straßen österreichischer Städte zeigt, dass die Vollverschleierung ebenso wenig ein reales Problem darstellt wie die Einreise irakischer oder iranischer Staatsbürger in die USA. Die haben ein aufwendiges, von US-Behörden durchgeführtes Verfahren zur Erteilung eines Visums hinter sich. Der Bann dient lediglich dazu, ein virtuelles Problem vorzugaukeln, um sich mit autoritären Rezepten schmücken zu können, die sich vermeintlicher Ängste der Bevölkerung annehmen. Das hat Sebastian Kurz von Donald Trump gelernt: Wenn keine Sachargument aufzutreiben sind, hilft der Hinweis auf die Gefühle "des Volkes". Deshalb bekundete der junge Außenminister zu Wochenbeginn wohl auch sein großes Verständnis für die Pläne des amerikanischen Präsidenten, quer durch den Kontinent einen trennenden Wall von Tijuana bis nach Brownsville, Texas, zu errichten. Schließlich versuche auch jedes andere Land "grundsätzlich Migration zu steuern und nicht unkontrolliert stattfinden zu lassen".