Die etwas aus der Mode gekommenen Schlammringkämpfe haben einen würdigen Nachfolger gefunden: Schlammläufe. Davon gibt es inzwischen viele. Sie werden im ganzen Land veranstaltet und tragen weltläufig klingende Namen wie Tough Mudder, Strongman Run, Xletix oder – nur für Frauen – Muddy Angel Run. Wie Soldaten in der Grundausbildung absolvieren die Läufer einen Hindernisparcours, bei dem sie durch üble Schlammgruben robben müssen und so richtig dreckig werden. Ein fröhlicher Spaß, auch für die Zuschauer, die am Zieleinlauf stehen, während ihnen lehmverkrustete Horden mit schlackernden Gliedmaßen entgegentorkeln wie die Zombies in den Resident Evil- Filmen.

Ähnlich hohl wie manch Untoter ist bisweilen auch die Masche, mit der die Tickets für die Teilnahme verkauft werden. Der Leserin Tatjana K. aus Frankfurt fiel das neulich beim Muddy Angel Run auf. Der preist seine Kooperation mit der Initiative Brustkrebs Deutschland und betont dabei mehrfach, dass der Schlammlauf sich für alle Frauen eigne, "die Gutes tun und dabei Spaß haben wollen". "Gutes tun" darf man sich aber nicht so vorstellen, dass Brustkrebs Deutschland von den Ticketpreisen (jeweils 39 bis 59 Euro plus "Gebühr für die Onlineabwicklung") auch nur einen Cent abbekäme. Nein, nein, betont der Veranstalter, eine Spende sei im Startgeld nicht enthalten, könne aber gern zusätzlich getätigt werden. Der Lauf sei nur "eine tolle Möglichkeit, um auf das Thema Krebs aufmerksam zu machen, durch Sport vorzusorgen und Betroffenen Kraft zu geben."

Nun ist so ein Schlammlauf ja eher körperlich und nicht so sehr geistig herausfordernd. Aber warum sollte man auch darüber nachdenken, ob nicht sehr dick aufträgt, wer zwar Kraft gibt, das Geld aber behält. "Gutes tun" ist ja auch immer eine Frage der Einstellung. Hauptsache, man tut es. Zu wessen Gunsten auch immer.