Er freundete sich mit dem Bauunternehmer Fred Trump an, traf damals schon dessen Sohn Donald; er ging in der jüdisch-orthodoxen Familie des Finanzmagnaten Charles Kushner ein und aus, übernachtete, wie die New York Times herausfand, sogar im Bett von dessen Sohn Jared, der in den Keller umziehen musste.

Dieser Jared Kushner heiratete später Ivanka Trump, wurde zum Schwiegersohn des heutigen Präsidenten. Diese Kontakte nützen Netanjahu in diesen Tagen: Jared gilt als einer der engsten Berater im Weißen Haus und soll als Nahostvermittler eine zentrale Rolle bei dem angestrebten ultimativen "Friedensdeal" spielen. Wo in der Region die Sympathien liegen, war nie ein Geheimnis: Die Kushners haben jüdische Siedlungen im besetzten Westjordanland mit großzügigen Spenden gefördert, auch Donald Trump war mit 10.000 Dollar für Bet El dabei. Dieser Ort, nördlich von Jerusalem im Westjordanland gelegen, ist eine Hochburg der nationalreligiösen Siedler und gilt nach internationalem Recht als illegal.

Bei unserem damaligen Gespräch erzählte mir Netanjahu, er werde die Palästinenser "auf Distanz halten, die dürften sich noch wundern" – ganz im Sinne seines Vaters. 1996 wurde er dann tatsächlich Ministerpräsident, mit 46 Jahren der jüngste in der Geschichte des jüdischen Staates. Er verlor allerdings ziemlich schnell das Vertrauen der Öffentlichkeit, musste nach drei Jahren zurücktreten und zog sich in die Privatwirtschaft zurück. Dort hielt es den Ehrgeizigen nicht lange, er sah sich immer als geborenen Politiker mit besonderer Sendung. Als Finanz- und Außenminister sowie als Oppositionsführer arbeitete er zäh und zielstrebig an seinem Comeback. Jetzt ist er schon seit März 2009 wieder an der Macht und wird in Sachen Amtszeit demnächst sogar den Staatsgründer David Ben-Gurion überholt haben.

An den Grundzügen der Netanjahu-Politik hat sich nie etwas geändert. Die Vereinten Nationen verachtet er, die Europäer sind in seinen Augen entweder hoffnungslos naiv gegenüber der arabischen Welt oder antisemitisch. Manche auch beides. Er hält den Konflikt mit den Palästinensern für unlösbar, glaubt aber, ihn managen zu können. Er will Frieden – aber nur zu seinen Bedingungen. Er schließt lange auch eine von der Obama-Regierung ebenso wie von der EU geforderte Zweistaatenregelung nicht völlig aus, lässt aber gleichzeitig immer mehr Siedlungen auf besetztem Gebiet bauen und schafft dadurch neue Tatsachen: Ein lebensfähiger Staat auf der anderen Seite kann so nicht entstehen. Außerdem muss nach Netanjahus Überzeugung die militärische Kontrolle über das gesamte Westjordanland "für immer" bei Israel verbleiben.

Unter diesen Voraussetzungen zeigt er sich gelegentlich zu taktischen Zugeständnissen gegenüber der PLO-Führung bereit, etwa als er 2009 Teile der Stadt Hebron den Palästinensern übergibt (er handelt sich dafür die Kritik seines Vaters ein). Netanjahu bleibt aber davon überzeugt, dass die Moderaten in Ramallah gegen die Islamisten von Hamas in Gaza verlieren. Er ist kein Rassist und auch kein Ultrareligiöser, eher ein kühl kalkulierender Pragmatiker, der den Gegner belauert und sich auf dessen interne Streitigkeiten und mangelnde Kompromissbereitschaft verlässt.

Ein letztes Treffen mit Israels Regierungschef gab es 2015. Netanjahu hat mich gemeinsam mit einigen Kollegen zu einem Hintergrundgespräch eingeladen. Seine Prioritäten haben sich geändert, das zeigt sich auch in den veränderten Parallelen, die er zur Nazizeit zieht. Früher hat er solche Vergleiche in der arabischen Welt angesiedelt, so behauptete er beispielsweise, Adolf Hitler habe die Idee, alle Juden auszurotten, von Amin al-Husseini, dem palästinensischen Großmufti Jerusalems, übernommen – Historiker schüttelten darüber nur den Kopf, Netanjahu sah sich später zu einer Entschuldigung gezwungen. Jetzt aber geht es um die Bedrohung aus dem Iran, die der Premier als existenziell begreift. Er vergleicht die Appeasement-Politik gegenüber Hitler mit den heutigen Iran-Verhandlungen, und er unterstellt der iranischen Führung, einen "neuen Holocaust" zu planen.

Der Premier hat jetzt freie Hand – er muss keine Rivalen mehr fürchten

Tatsächlich hatte der iranische Ex-Präsident und Scharfmacher Mahmud Ahmadinedschad gedroht, er werde das "Besatzerregime aus den Geschichtsseiten verschwinden" lassen. Aber die USA unter Präsident Obama konnten unter Einbeziehung der anderen UN-Vetomächte und Deutschlands im Juli 2015 mit der neuen, gemäßigteren Regierung von Hassan Ruhani einen Vertrag schließen. Der Kompromiss dürfte eine atomare Bewaffnung des rans zumindest im nächsten Jahrzehnt verhindern. Israels führende Militärs und Geheimdienstler begrüßten ihn fast einhellig.