DIE ZEIT: Herr Wulff, was hat sich für Sie zuletzt verändert?

Christoph Wulff: Ich hatte ziemlich anstrengende und aufregende Tage. Ich bin Leiter der Gästebetreuung im Hotel The Willard Intercontinental, in Washington, D. C. Das liegt fast direkt neben dem Weißen Haus, vielleicht 500 Meter Luftlinie entfernt. Sie können sich vorstellen, was rund um Trumps Amtseinführung und auch in den Wochen danach bei uns los war ...

ZEIT: Vermutlich war Ihr Haus restlos ausgebucht.

Wulff: Oh ja. Sie müssen wissen: Aus unseren Zimmern heraus kann man direkt auf die Pennsylvania Avenue schauen, das ist die Prachtstraße von Washington. Dort führte auch die Parade von Trump entlang. Wir haben deshalb, auf Wunsch der Gäste, mehrere Suiten zu Partyräumen umgestaltet. Also Betten, Schreibtische und Schränke herausgeräumt und stattdessen Bars, Stehtische und unzählige Flatscreens, riesige Fernseher, hineingestellt.

ZEIT: Wer gehörte denn zu Ihren Gästen?

Wulff: Unser Haus wird "Residence of Presidents" genannt, weil alle US-Präsidenten seit 1853, seit der Hoteleröffnung, hier zu Gast waren. Auch dieses Mal haben wieder ehemalige Staatspräsidenten eingecheckt, genauso wie Vorstandsvorsitzende großer amerikanischer Firmen. Eine sehr elitäre Klientel.

ZEIT: Bestimmt sagen Sie nicht, wer genau da war.

Wulff: Das müssen Sie verstehen. Da bin ich zur Diskretion verpflichtet.

ZEIT: Sie stammen aus Rostock. Haben Sie so etwas schon mal erlebt?

Wulff: Nein. Wobei ich dazu sagen muss: Ich bin es gewohnt, dass prominente Gäste einchecken, das habe ich in Heiligendamm, Berlin und Frankfurt schon erlebt, wo ich früher gearbeitet habe. Aber die vergangenen Wochen waren außergewöhnlich, weil sehr viele bedeutende Leute gemeinsam da waren. Trump sah ich während der Parade mit seiner Familie vorbeifahren, neben der Limousine joggten seine Leibwächter. Ein wahnsinniger Trubel.

ZEIT: Ihr Hotel war Hauptkampfplatz.

Wulff: Unser Haus lag mitten in der roten Zone, also dort, wo die strengsten Sicherheitsregeln galten. Autos durften am Tag der Amtseinführung nicht fahren, und wir mussten uns überlegen, wie wir die Gäste am Abend vom Hotel aus zu den diversen wichtigen Locations bringen. Wir haben uns deshalb Golfmobile besorgt. Mit denen brachten wir die Gäste in ihren Ballkleidern zum nächsten Taxi.

ZEIT: Und das ist Ihre Aufgabe, als Leiter der Gästebetreuung?

Wulff: Na ja, eigentlich bin ich Rooms Division Manager. Das heißt: Ich bin dafür verantwortlich, dass die Gäste sich wohlfühlen. Dass sie angenehm empfangen werden, dass ihre Zimmer so vorbereitet und gereinigt werden, wie sie das erwarten, dass wir ihnen ihre Wünsche erfüllen.