Ein Blick in die Geschichte zeigt: eigentlich nichts.

Auch klein dimensionierte Spiele wären heute deutlich größer als jene vor vier Jahrzehnten. Etwas mehr als 1000 Athleten nahmen damals teil. In der Agenda 2020 hat das IOC die Zahl der Sportler auf 2.900 begrenzt – immer noch fast dreimal so viele wie im Jahr 1976.

Ökonomen der Universität Oxford veröffentlichten im vergangenen Jahr eine Studie zum Thema. Ihre Ergebnisse sind trist. Sie schreiben: "Eine Stadt und ein Land, die sich dafür entscheiden, Olympische Spiele durchzuführen, die entscheiden sich für eines der teuersten und finanziell riskantesten Megaprojekte, die es überhaupt gibt." In den vergangenen 30 Jahren machten alle Veranstalter mal große, mal riesige Verluste. Geradestehen muss dafür der Steuerzahler. Schon für die Bewerbung verlangt das IOC eine Garantie des jeweiligen Staates, für etwaige Ausfälle zu haften.

Auch mit gutem Willen ist es schwer, Studien zu finden, in denen nachhaltig positive Effekte für die Austragungsorte zu finden sind. Selbst der touristische Zuwachs ist keineswegs eine ausgemachte Angelegenheit. In den Jahren vor den Spielen bleiben Gäste oft fern, im Jahr der Spiele selbst – die im tourismusintensiven Februar stattfinden – sind die Möglichkeiten für die lokale Wirtschaft durch die starke Reglementierung eingeschränkt. Und wie sich die Fremdenverkehrszahlen danach entwickeln? Eine alte Faustregel behauptet: Olympische Spiele brächten in den folgenden zehn Jahren fünf Prozent mehr Touristen. Sicher ist das nicht. Es bleibt eine Hypothese, ohne echte Evidenz. Dazu kommen Verdrängungseffekte: Veranstaltungen, die wegen der Spiele nicht stattfinden können, Kongresse, die ausweichen müssen.

Düster ist auch das Ergebnis einer Untersuchung, die im Jahr 2012 im amerikanischen Fachjournal Economic Inquiry erschien. Die oft bemühten positiven Effekte seien meist auf schlechte Vergleiche zurückzuführen – wenn Olympiastädte mit kleineren Tourismusorten verglichen werden. Deshalb wurde für diese Studie die Entwicklung von Austragungsorten mit unterlegenen Bewerbern verglichen. Das Fazit: Längerfristige Effekte von Olympischen Spielen sind verschwindend gering.

Dazu kommen Kosten, von denen heute noch niemand weiß, wie hoch sie sein werden: Wie viel muss in neun Jahren etwa in die Sicherheit der Veranstaltung investiert werden – zumal wenn ein ganzes Bundesland zur Olympiaregion wird?

Olympische Spiele sind immer auch ein riesiges Renovierungsprojekt. In Rekordzeit verändern Städte ihr Aussehen, es werden Sportstätten, Straßen und Wohnhäuser aus dem Boden gestampft. Gerade in Innsbruck, geplagt von chronischem Platzmangel, erhofft man sich dadurch billigen Wohnraum. Ganz so wie in den sechziger Jahren, als im Olympischen Dorf die Bewohner von Barackensiedlungen günstigen Wohnraum fanden. Funktioniert das heute noch einmal?

"Der Wohnbau ist ein schlechtes Argument für Olympia", sagt der Wiener Architekt Max Rieder. Vor einigen Jahren hat er eine Hochhausstudie für Innsbruck erstellt. Ein olympisches Dorf sei eine Großinvestitionen, die nichts mit dem Ort selbst zu tun habe: Zu vieles sei vom IOC vorgeschrieben, der Spielraum bescheiden, "am Ende ist es eine Sicherheitsfestung, die relativ wenig mit Wohnen zu tun", sagt Rieder. "Es entsteht eine Ghettoisierung."

Keiner weiß, ob das IOC seine Agenda 2020 ernst meint und kleinere Spiele tatsächlich akzeptieren wird. Die Skepsis ist groß. Die olympische Bewegung wollte sich schon oft reformieren, Papiere gab es in den vergangenen Jahrzehnten viele – meist blieben sie Vorschläge, die nett zu lesen sind, aber keine Auswirkungen hatten. Die Spiele wurden für demokratische Länder, in denen Steuerzahler ein Wörtchen mitzureden haben, immer unattraktiver.

Doch dieses Mal soll alles anders werden, davon bleibt Karl Stoss überzeugt. Eine Bewerbung Innsbrucks sei die große Chance für die Stadt. Nicht nur wirtschaftlich würde die Region profitieren, "man bringt damit junge Leute auch wieder zum Sport", sagt er.

Karl Stoss glaubt fest an die Reformbemühungen des IOC, er sehe es als seine Pflicht, diesen Weg im Komitee voranzutreiben: "Wenn das nicht passiert, finden Spiele nur noch in autokratischen Staaten oder Diktaturen statt."