Im Reformationsjahr geht es um Männer, Männer, Männer. Oder sagen wir: Luther, Luther, Luther! Was natürlich niemanden wirklich wundert, weil es ja nun tatsächlich Luther ist, von dem alles Faszinierende ausgeht an dem, was da vor 500 Jahren in Wittenberg passiert ist: Wie konnte ein Mann von dieser Stadt aus die Welt aufrühren? Ohne Charisma, ohne Persönlichkeit ist das nicht zu erklären. Das ist dann wohl auch der Grund dafür, dass im Jahr 2017 eine Playmobil-Figur des Reformators, hergestellt mit dem Segen der Kirche, zum Kassenschlager des Reformationsgedenkens geworden ist. So viel zum Heldentum.

Trotzdem machen wir diese Doppelseite mit Katharina von Bora auf, Luthers Ehefrau.

Weil sie eben nicht nur die Frau an Luthers Seite war. Vielleicht war Katharina von Bora, getürmt aus dem Kloster, emanzipiert von der Last ihrer vermeintlichen Bestimmung, so etwas wie eine Vorbereiterin: machtbewusst, einflussreich, selbstständig. In jedem Fall war Bora die Prototypin der evangelischen Pfarrfrau. Damals war sie fortschrittlich, auch wenn es heute vielleicht nicht danach aussieht. Sie wirkte weit in Luthers Arbeit hinein.

Gerade im Osten – in jener Region, in der Frauen sich besonders zugutehalten, Männern von jeher Paroli geboten zu haben – darf ein großes, weltbewegendes Jubiläum nicht gefeiert werden in dem Glauben, alle seine Helden wären männlich.

Die Luther-Gattin von Bora, geboren in Sachsen, ist bei Weitem nicht die einzige weibliche "Täterin" der Reformation – kein Wunder, schließlich floh sie nicht als einzige Nonne aus ihrem Kloster in Nimbschen. Auch an anderen Orten machten sich Frauen auf den Weg. Wie Elisabeth Cruciger, die von Pommern nach Wittenberg kam und dort 1524 ein Lied verfasste, in dessen fünf Strophen sie Luthers gesamte Reformation hineindestillierte. Es wird bis heute regelmäßig in den Kirchen gesungen.

Zwölf weitere Frauen hat die Evangelische Kirche Mitteldeutschlands immerhin aufgetrieben, die in der Region an der Reformation mitwirkten; der Verein "Evangelische Frauen in Deutschland" kommt gar zu dem Schluss, die Reformation sei "von Frauen gestaltet" worden.

Es ist dann irgendwie keine Überraschung mehr, dass die ostdeutschen Landeskirchen sich vor 50 Jahren leichter damit taten, Frauen für das Pfarramt zuzulassen. All das könnte Wittenberg glatt mitfeiern, im Jahr 2017.