Ich nehme Lady Astra und fahre weiter. Wohin der Wind mich weht. Und wohin weht mich der Wind? In das Örtchen Fahrenzhausen, wo ich auf Eike treffe. Eike ist jemand, der seine Sorgen und Nöte wirklich gerne mit anderen teilt. Es gibt viele alte Menschen in diesem Land, sagt Eike, Deutsche, die der Gesellschaft ihre besten Jahre geopfert haben und um die sie sich jetzt kümmern sollte. Doch Deutschland kann sich nicht um seine Alten kümmern, weil das Geld aus dem deutschen Finanzsäckel an die Flüchtlinge geht. Deutschland hat über eine Million aufgenommen; das ist mehr als genug. Jetzt sollen die anderen Länder ihren Beitrag leisten, findet er.

Warum haben die Deutschen mehr Flüchtlinge aufgenommen als andere Länder?, frage ich ihn. "Die Geschichte", sagt er. Wenn die Deutschen nicht all diese Flüchtlinge reinließen, würde man überall sagen, die Deutschen sind Nazis.

Ich habe das "Geschichtsargument" in der einen oder anderen Variante nun schon oft gehört, heute geht mir endlich ein Licht auf. Die Deutschen nehmen mehr Flüchtlinge auf als alle anderen europäischen Länder, weil sie von der Weltbevölkerung geliebt werden wollen. Und was wollen die Flüchtlinge? Was ich von den Flüchtlingen meistens höre, ist: "Helft mir!"

Die Geschichte der Flüchtlinge in Deutschland lässt sich also, nach allem, was ich darüber bislang in Erfahrung bringen konnte, in vier Worten zusammenfassen: "Liebt mich! Helft mir!" Zwei Völker, das deutsche und das arabische, bitten uns, sie zu lieben und ihnen zu helfen. Ist das nicht eine traurige Geschichte?

Die Geschichte wird noch trauriger, als ich in der bayerischen Landeshauptstadt ankomme. Spätnachts setze ich mich in ein Münchner Gasthaus und spreche mit einem jungen Mann, der mir berichtet, dass er ein paar Sicherheitsleute kennt, die in einem Flüchtlingslager in der Nähe von Augsburg arbeiten.

"Sie haben mir erzählt, was dort los ist."

Was?

"Flüchtlingsfrauen bieten den Wachleuten Sex für 20 oder sogar für zehn Euro an."

Aus welchem Grund?

"Um Geld zu verdienen. Was sonst? Sie haben mir auch erzählt, dass sie von Flüchtlingen angegriffen werden. Ich weiß nicht, warum."

Haben sie Ihnen erzählt, ob so etwas häufiger vorkommt?

"Das kommt oft vor."

Der nächste Tag ist sonnig und warm, ein wundervoller Tag, um in der Nähe der Universität herumzuspazieren und mit dem Nachwuchs zu plaudern. In einer schönen Gegend mit vielen Straßencafés sitze ich mit zwei reizenden Studentinnen, einer dunkelhaarigen und einer blonden, in einem solchen Café und unterhalte mich mit ihnen. Die Studentinnen sagen mir, dass Angela Merkel recht hat: Man sollte die Anzahl der Flüchtlinge, die in dieses Land kommen dürfen, nicht begrenzen.

Ich frage: eine Million, zwei Millionen, sechs, sieben, acht, neun, zehn – alles in Ordnung?

Zehn Millionen gehen nicht, sagt die eine, und die andere nickt.

Warum nimmt Deutschland mehr Flüchtlinge auf als die anderen europäischen Länder?

Weil es sich Deutschland im Gegensatz zu anderen Ländern leisten kann.

Kann sich Großbritannien nicht mehr Flüchtlinge leisten? Ich habe gehört, die sind reich dort.

Es gibt einen "Grund", warum Deutschland mehr Leute aufnimmt als die anderen.

Was ist der Grund?

Wenn Deutschland das nicht täte, antwortet die Dunkelhaarige, die Jura studiert, dann hieße es im Ausland, Deutschland sei ein Nazistaat.

Diese Jurastudentin ist hartgesotten. Wenn ich sie namentlich zitiere, bescheidet mir die angehende Rechtsanwältin, dann wird sie mich verklagen.

An diesem Punkt frage ich mich: Wer braucht wen mehr? Die Flüchtlinge die Deutschen oder die Deutschen die Flüchtlinge?

Ein paar Straßen weiter fallen mir zwei gut aussehende Studenten auf, Konstantin und Robert, und ich frage sie, ob es ihnen etwas ausmachen würde, mir zu verraten, was sie über Flüchtlinge und Deutsche denken. Nicht im Geringsten, äußern sie übereinstimmend. Diese Jungs werden mich wenigstens nicht verklagen. Keine angehenden Anwälte. Gott sei Dank!

Sie reden. Und zwar furchtbar gerne. Beide lassen mich wissen, dass sie dafür sind, alle Flüchtlinge nach Deutschland kommen zu lassen, doch sie sind sich uneins, wo man am Ende die Grenze ziehen müsste, bei zwei Millionen oder bei zehn Millionen oder irgendwo dazwischen.