Warum DIESE Rolltreppe so langsam ist? Was für eine Frage! Was für ein Fauxpas! So etwas mag vielleicht erlaubt sein gegenüber anderen Rolltreppen, die zwar zufälligerweise die gleiche Bezeichnung tragen, aber nichts weiter sind als schnöde "Personenbeförderungsmittel zur Überwindung einer Höhendistanz", seelenlose Apparaturen aus Metall, von Elektromotoren uninspiriert bewegt, dutzendfach anzutreffen in Kaufhäusern und U- und S-Bahn-Stationen. Aber diese Frage gegenüber IHR, der Königin der Elbphilharmonie, die uns geradewegs ins Herz eines der Weltwunder der Postmoderne führt? "Tube" nennt man sie – wer das in ihrer Gegenwart jemals deutsch ausgesprochen hat, darf nie wieder in ihre Nähe, in die 80 Meter lange, hell verputzte, mit Tausenden irisierenden Glaspailletten besetzte Röhre, in der sich die Treppe wie in einem Kokon Richtung Plaza aufschwingt.

Schwingt, das ist wörtlich zu nehmen: Dieses Wunderwerk der Rolltreppentechnik fährt nicht einfach gerade nach oben wie ihre Verwandten bei Karstadt. Die Tube vollführt einen kunstvollen Bogen, dessen Neigung von anfangs 26,5 Grad auf 8 Grad zum Ende hin abnimmt. Mit dem Effekt, dass Besucher, die auf ihr nach oben in Richtung Plaza und zurück gleiten, niemals von einem ihrer Enden zum anderen sehen können.

Überflüssig zu erwähnen, dass dieses Prachtstück der Ingenieurskunst die längste freistehende Rolltreppe Deutschlands ist. Wenn wir uns (was gerade in Mode ist) die Realität zurechtbasteln und Konkurrenzrolltreppen wie das 137 Meter lange Modell in der Metro-Station Admiralteiskaja in Sankt Petersburg frech ignorieren, ist sie gefühlt sogar die wahrscheinlich längste Rolltreppe der Welt.

Auf ihr schwebt man empor wie auf einer Himmelsleiter, Zeit und Raum vergessend, dem schmalen Schlitz entgegen, an dem die Tube endet – um dann plötzlich vor einem Panoramafenster zu stehen, das einen atemberaubend weiten Blick über den Hafen öffnet.

Ein Erlebnis, fast wie eine Geburt. Aber das würde Enno Isermann, Sprecher der Kulturbehörde, niemals sagen. Stattdessen sagt er, wir wollen nicht so sein, anbei nun doch ein paar Worte zur angeblich zu langsamen Geschwindigkeit dieses Treppenkunststücks: "Sie ist so gewählt, dass man schon die Fahrt mit der Tube genießen und den Alltag hinter sich lassen kann."

Noch weitere unbotmäßige Fragen? Nein! – Doch?!? Wie schnell sich die Stufen denn eigentlich bewegen?

Nun gut, die Rolltreppe fährt so schnell wie die meisten anderen gen Himmel: mit 0,5 Metern pro Sekunde, umgerechnet 1,8 Stundenkilometer. Man kann sie aber auch schneller laufen lassen, etwa nach Konzerten, wenn alle nach Hause wollen: bis zu 0,65 Meter pro Sekunde. Tests haben ergeben, dass sich Fahrgäste in diesem Geschwindigkeitsbereich am wohlsten fühlen. Sollte das bei Ihnen anders sein, müssen Sie sich mit der EU anlegen: Schneller rollende Treppen sind nur auf Flughäfen erlaubt.

Oder außerhalb Europas.