Kürzlich weilte ich im Berliner Olympiastadion, eingeladen von Freund Peter. Dessen Eheliebste hatte ihm zwei Bundesliga-Karten geschenkt, zum Stückpreis von 104 Euro. 74.667 Zuschauer füllten die imposante Nazischüssel bis an den Rand.

Hertha rackerte gegen Bayern München bravourös und führte nach 90 Minuten 1 : 0. Der Schiedsrichter ließ fünf Minuten nachspielen, ohne Erfolg. Ein sechstes Minütchen erbrachte nach 59 Sekunden den Ausgleich. Man darf sagen: Das Stadion kotzte – abzüglich der Gäste, die das Übliche bejubelten.

Am vergangenen Sonntag sah ich das Viertliga-Spiel Union Fürstenwalde gegen FC Carl Zeiss Jena. Eintritt zehn Euro, inklusive Programmheft. Die liebevolle Bastelarbeit aus dem Farbkopierer bezeichnete den Gastclub als BFC Dynamo Berlin, wofür die Frau im Kassenhäuschen um Verzeihung bat. 906 Erwählte, zur Hälfte Jena-Fans, erlebten sodann – nichts, aus kommerziellen Gründen. Die riesige Zaunfahne der Jenaer Ultra-Truppe "Horda Azzurro" mit dem Slogan UNBEUGSAM UND UNVERKÄUFLICH verdeckte Reklame heimischer Sponsoren.

Der Stadionsprecher drohte: Ohne Entflaggung kein Spielbeginn! Die Horda blieb hart. Bäcker, Fleischer, Kfz-Monteur gaben schließlich nach, der Schiri pfiff an. Die Partie wurde noch spannender als die in Berlin. Danach Pressekonferenz für alle, in der Sportlerklause. Bier, Kümmelbratwurst, unbeschäftigte Polizei, und ringsum rauschten die Kiefern vom ewigen Geheimnis des Rasenballsports der Provinz.

Rasenballsport Leipzig gilt derzeit als Hassobjekt romantischer Fußballfans: Parvenü! Werbemaßnahme! Mörder der Tradition!

Ich hasse nicht. Mich beödet jeder entseelte Hochfinanz-Sport der Unterhaltungsindustrie. Fußball ist sinnlos, außer man liebt.