Ignorieren half ja nichts. Jammern wirkt nun überflüssig, nölen albern, Haare raufen ist so uncool. Hoffen? Hahaha. Auf was? Dass Donald wieder in Manhattans schwarzen Godzilla Tower verschwindet? Freiwilliger Rückzug? Zu Tawny, der grazilen Goldlocke? Weil Frauen in Washington manchmal so komische Häkelmützen tragen? Der Trend im Anti-Trump-Camp geht jetzt zum Buch. Der Eindruck hat sich verdichtet, dass in 140 Twitterzeichen die Welt nicht erschöpfend erklärt wird. So sad. Die Erwartung nimmt Gestalt an, dass es dauern könnte, bis der Coup im Weißen Haus an Momentum verliert, #fouryears, vier Jahre Trump, was tun, noch banger wird gefragt: Wie überleben? Also jetzt: geistig und körperlich? Seelisch und mit Haut und Haaren? Wir und die Welt?

Und hier kommt das Buch ins Spiel. Sei es, weil man sich an süße Zeiten erinnert, in denen ein Zweitklässler unter die Bettdecke kroch, wenn die Erwachsenen blöd und gemein waren, ein Erinnerungsbild, in dem sich das kindliche Bedürfnis nach uteraler Geborgenheit (Decke) mit den einstigen Anweisungen des Ministeriums für Innere Sicherheit für das Überleben einer Nuklearattacke mischt (Kopf bedecken, mit Ranzen oder ähnlichem Gerät!). Oder dass man das Gefühl hat, wir müssten nachsitzen, weil wir bei den Hausaufgaben früher mal geschlampt haben. Jedenfalls kursieren in den internationalen Feuilletons lange Listen von Büchern, die früher mal der Stoff von Klassenarbeiten waren. Ganz oben: George Orwell. Natürlich 1984 – Absturz in den Totalitarismus, der Favorit von Michiko Kakutani, Literatur-Oberkritikerin der New York Times. Die BBC meldet für Großbritannien: Abverkaufsplus von 20 Prozent! Aldous Huxley. Brave New World – bedingungslose Ohnmacht durch mediale Verblödung. Margaret Atwood. Die Magd – Frauenverachtung bis zur Exekution. Schwärzeste Zukunftsbilder, literarische Dystopien.

Die Lage ist so verzweifelt, dass sogar Anne Franks Tagebücher wieder aufgetischt werden und die Berliner taz zur Philosophie rät: "Alles von Hannah Arendt – passt immer!" Der Guardian, in seiner immer so erwartbaren linksliberalen Besorgtheit, hat sogar für Donald Trump (@realDonaldTrump) eine Leseliste zusammengestellt, also damit Trump den Trump in sich überlebt, ganz oben steht ein Kinderbuch, No means no!, etwa: "Pfoten weg!"

Mit Verlaub. Erstens: Der Mann liest nicht. Donald nicht, nicht die meisten der anderen Männer, zwei Drittel aller Bücher liegen doch bekannterweise in Frauenhänden. Zweitens: In trüben Zeiten literarisch wertvolle Dystopien zu lesen steigert höchstens den Gin-Konsum, also den Alkoholismus. Okay, es heißt, die antidepressive Wirkung von Alkohol werde unterschätzt. Die Wahrheit aber ist immer konkret. Wer wissen will, was politisch los ist und was man dagegen heute tun kann und sollte, lese morgens eine gute Tageszeitung. Die psychische Widerstandskraft stärkt indes nichts so sehr wie ein befreiendes Lachen. Fragen Sie Ihre Buchhändlerin einfach nach einem komischen Buch. Spaß muss sein!, wie es im Deutschen so nett heißt, oder, im Sinne von Walter Moers’ Bänden zu historischen Arschlöchern, Hitler & Company: "Jätzt ärst rächt!"