Seit Jahrhunderten quält sich die Philosophie mit der Frage: Macht ein Baum, der im Wald umfällt, auch dann Krach, wenn niemand präsent ist, um den zu hören? Diese metaphysische Kamelle ist plötzlich hochaktuell geworden, wie die Beispiele Trump und Terror zeigen.

Beide ansonsten unvergleichbaren Phänomene gäbe es nicht, wenn niemand zuhörte und hinguckte, wenn die Schlagzeilen und Talkshows wegblieben. Auf Trump oder Terror werden die Medien nicht verzichten; das sind reale politische Knüller, keine scholastischen Kopfnüsse. Sie markieren ein Drama mit offenem Ausgang. Mit ihrem obsessiven Interesse servieren die Medien dem Trump wie dem Terror das Lebenselixier: die weltumspannende, nimmer versiegende Aufmerksamkeit.

"Trump" kriegt eine Milliarde Einträge bei Google, "Terror" 280 Millionen; solche PR-Erfolge kann keine Agentur toppen. Terror, dozierte der Ur-Anarchist Michail Bakunin, ist die "Propaganda der Tat". Wofür? Die Altvorderen wollten noch Regime stürzen. Ihre islamistischen Erben, die von Bagdad bis Berlin morden, fordern nichts, hinterlassen keine Manifeste. Sie töten, um zu töten. Das Ziel ist allein das Grauen, das maximale Aufmerksamkeit (und morbide Faszination) garantiert. Es funktioniert jedes Mal. Der Horror verbreitet sich in Echtzeit und beherrscht tagelang die Schlagzeilen der Welt. Das ist der Sinn der Sache.

Donald Trump schafft es gewaltlos. Man scheut den Begriff, aber er ist das Genie des Digitalzeitalters, das die Konkurrenz im Stundentakt deklassiert. Schon im Vorwahlkampf, rechnete ein US-Politikexperte aus, habe Trump Umsonst-Werbung im Fernsehen im Wert von 1,2 Milliarden Dollar eingeheimst. Warum? Weil er anders als die drögen Rivalen der Star in der Sparte "Unsinn, Unterhaltung und Empörung" war. Warum die Kamera auf Jeb Bush richten, wenn Trump für ein halbes Dutzend Knaller pro Auftritt gut ist?

So läuft es auch seit dem 20. Januar. Das Rezept ist so durchsichtig wie Wassersuppe. Schritt eins: Provokation. Schritt zwei: Die Medien heulen auf und räsonieren dann ernsthaft oder höhnisch über den "postfaktischen" Präsidenten, entlarven seine Sprüche als Verdrehung oder Lüge. Trump hat zwar die Medien als "Volksfeind" denunziert, aber die sind, welche Ironie, seine besten Verbündeten. Sie verschaffen ihm die Echokammer – immer wieder hin und zurück –, die ihm tagelang die Aufmerksamkeit sichert.

Es ist falsch, zu glauben, Trump brauche die Medien nicht; er habe ja Twitter. So bedient er seine Gemeinde, doch erst der "Volksfeind" baut ihm die große globale Bühne auf. Warum springen die Trump-kritischen Medien über jedes Stöckchen? Rein rational sollten sie den Baum im Wald umfallen lassen, ohne den Lärm zu verstärken. Bloß sind Trump und die Medien eine heimliche Ehe eingegangen. Er besorgt ihnen Auflage und Ratings, sie "revanchieren" sich, indem sie ihm Öffentlichkeit en masse verschaffen, das kostbarste Gut überhaupt. Die Beziehung ist parasitär.

Trump ist der Erste, der die Gesetze der neuen Medienökonomie perfekt kapiert hat. Europas Demagogen werden von ihm abkupfern. So können sie hier nicht punkten? Im Brexit-Votum haben sie schon triumphiert. In diesem Jahr werden die Wahlen in den Niederlanden und Frankreich zeigen, wie immun oder anfällig die Alte Welt ist.