Der Mann hat Nerven. Vergangene Woche kündigte Carlos Tavares selbstbewusst an: "Wir können einen europäischen Champion schaffen." Der Chef der französischen PSA-Gruppe (Peugeot, Citroën, DS) hat es auf die deutsche Traditionsmarke Opel abgesehen. Schon diese Woche könnten die Gespräche mit der bisherigen Opel-Mutter General Motors abgeschlossen werden. Dann ist klar, ob Opel komplett übernommen wird oder es zu einer deutsch-französischen Allianz nach dem Vorbild von Airbus kommt. So oder so: Zusammen mit Opel würde PSA zur Nummer zwei in Europa hinter Volkswagen aufsteigen, könnte Kosten in der Entwicklung und im Einkauf sparen und den Dauerrivalen Renault überholen. Dort hat Tavares seinerzeit das Tagesgeschäft geleitet und den Autobauer hart saniert, wie danach PSA. Ähnliches könnte Opel bevorstehen, das Unternehmen schreibt chronisch Verluste. Erst mal gelten wohl Beschäftigungsgarantien weiter, aber über spätere Werksschließungen wird schon spekuliert.

Die Grafik unten zeigt, dass die Aufgabe für Tavares keine leichte wird. Opel verkauft heute etwa so viele Autos in Europa wie Ford, aber die Europatochter dieses amerikanischen Konzerns verdient viel mehr Geld dabei. Auch bei den Facebook-Fans könnte Opel noch zulegen.

Vor der Fusion

VW ist der uneinholbare Riese: Die Marktanteile im Autogeschäft in Europa 2016

ACEA, CAR (Center Automotive Research), ADAC, OICA, eigene Recherche © ZEIT-Grafik

Und danach?

Mit dem Kauf von Opel würde PSA immerhin an Renault/Nissan vorbeiziehen

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Fan-Faktor

Zusammen haben Opel und Peugeot nicht einmal halb so viele Facebook-Fans wie Volkswagen

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Weltweite Produktion

Im Vergleich aller Fahrzeughersteller lag PSA 2015 auf Platz zehn. Daran würde ein Kauf von Opel wenig ändern

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Pannen-Löwe

38 von 1.000 Peugeot 308, die 2009 zugelassen wurden, blieben 2015 auf deutschen Straßen liegen. Opel steht zwar etwas besser da in der ADAC-Pannenstatistik, aber der VW Golf ist deutlich zuverlässiger

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Ein anhaltendes Verlustgeschäft

Opel will raus aus den roten Zahlen. Mitbewerber Ford hat das bereits geschafft*

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Marketing allein hilft nicht

Mit teuren Werbekampagnen kämpft Opel gegen das schlechte Image in Europa. Dem Verkauf hilft es kaum

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Made in Germany

Jedes dritte Auto, das 2015 in der EU gebaut wurde, rollte in einem deutschen Werk vom Band

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