Der Schönste wird der deutsche wieder nicht. "Er", versprach aber Innenminister Thomas de Maizière, als er den neuen Reisepass der Bundesrepublik präsentierte, "bietet ein hohes Maß an Sicherheit." Das neu gestaltete Dokument ist jetzt noch schwerer zu fälschen. Dafür sorgen, neben dem Chip mit biometrischen Daten, eine Reihe ausgefuchster Details: ein Sicherheitsfaden, der mit dem Namen des Ausweisinhabers und der Dokumentennummer beschriftet ist, sogenannte Guillochen, geriffelte Muster, die sich in Pünktchen auflösen, sollte man sie kopieren. Und die Bundesadler und Brandenburger Tore, die unter UV-Licht psychedelisch leuchten. Dann sieht der deutsche Reisepass aus wie der Faschingsprinz einer Vorort-Disco: ein bisschen einfallslos, aber toll bunt.

Dagegen gibt es etwa in britischen Pässen wilde Collagen aus großen Köpfen, Gebäuden und Erfindungen des Königreichs. Der eleganteste Pass ist der norwegische, der von einer Designagentur mit zu edler Schlichtheit abstrahierten Landschaftsbildern ausgestattet ist. Im UV-Licht leuchten Nordlichter. Mondäne Bars könnten mit diesen Bildern tapeziert werden. US-amerikanische Pässe kann man sich ansehen wie ein Bilderbuch, in dem sich die frontier, die Grenze der bewohnbaren Territorien, immer weiter ausdehnt, bis auf der letzten Seite die Erde vom All aus zu sehen ist. Daneben ein Zitat des Astronauten Ellison S. Onizuka: "Jede Generation ist verpflichtet, den menschlichen Geist frei zu machen für den Blick auf neue Welten ... und von einem höheren Standpunkt zu sehen als die letzte Generation."

So ein Pass ist also ein Stück Nationalkultur, das man stolz durch die Welt tragen soll. Und es ist natürlich kein Schönheitswettbewerb, der dabei zu gewinnen wäre. Der wahre Wert eines Passes bemisst sich nach der Weite der Welt, die er seinem Inhaber aufschließt. Und in dieser Hinsicht ist der deutsche Pass in der Tat der wertvollste: In der jährlichen Rangliste einer Beratungsagentur, die reichen Privatleuten und Unternehmen hilft, den Aufenthalt ihrer Mitarbeiter im Ausland zu organisieren, steht Deutschland seit letztem Jahr allein auf Platz eins: in 177 von 218 Ländern kann man mit einem deutschen Pass ohne besondere Visa reisen.

All die Prägungen, Wasserzeichen und Hologramme sind also nicht nur nerdige Spielereien. Sie grenzen das größte Privileg der Welt gegen Unbefugte ab: die Freiheit, aufzubrechen, wohin man will. Am unteren Ende der Skala muss für die Inhaber der Pässe von Pakistan, dem Irak und Somalia die Welt sehr klein aussehen – was auch immer darin abgebildet sein mag.