Das Russell Building des US-Senats steht nur ein paar Schritte vom Kapitol entfernt, ein Palast der Demokratie mitten in Washington, endlose Marmorflure, Stuckdecken. An einem polierten Holztisch sitzt der Chefberater eines republikanischen Senators, der unbedingt anonym bleiben will. Keine Namen, keine Fotos, keine Zitate, keine Tonbandaufnahmen. Es steht gerade ziemlich viel auf dem Spiel. Vielleicht seine Karriere, mindestens seine Ehre, ganz sicher aber die Zukunft der Republikanischen Partei.

Die erste halbe Stunde spricht der Berater sehr diplomatisch über den neuen US-Präsidenten. Er lobt das Kabinett, das Donald Trump berufen hat, auch den Kandidaten für den Supreme Court, einen hoch angesehenen Richter. Trumps Mannschaft bestehe aus Leuten mit Erfahrung, sagt der Berater, "Erwachsenen". Und wie sie sich bislang geäußert hätten, zur Nato, zu Russland, das sei doch ermutigend. Der Berater zählt die Namen auf: General James Mattis, Verteidigungsminister. General Herbert Raymond McMaster, Sicherheitsberater. General John Kelly, Heimatschutzminister. Rex Tillerson, Außenminister. Es klingt fast wie ein Mantra, wie ein Gebet. Eine Beschwörung, dass es schon nicht so schlimm kommen werde.

Doch je länger der Berater spricht, desto mehr Kritik fließt in seine Sätze. Kritik an Trump, an seiner Twitterei. An seiner Hetze gegen die Medien. Und irgendwann bricht es aus dem Mann heraus. Als Trump seine erste Pressekonferenz gegeben habe, live im Fernsehen, ein mäanderndes, verstörendes Spektakel, da habe "auch hier im Senat" fast jeder nur hervorgestoßen: "What the fuck!?"

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"Wir Republikaner", sagt der Berater, "haben ein riesiges Talent, groß zu gewinnen und es dann total zu versauen." In den nächsten vier Jahren unter Trump gebe es nur zwei Ziele: "Wir müssen versuchen zu arbeiten. Und zu überleben."

Schock, Panik, Ratlosigkeit herrschen nicht nur bei den besiegten Demokraten von Barack Obama und Hillary Clinton. Eine ähnlich verzweifelte Verwirrung gibt es auch bei vielen Republikanern. Bei Senatoren, Abgeordneten im Repräsentantenhaus, ehemaligen Botschaftern, einstigen Mitarbeitern der beiden Präsidenten Bush I und Bush II. Mit einem guten Dutzend von ihnen hat die ZEIT für diesen Artikel gesprochen. Denn von ihnen hängt letztlich ab, was aus Trumps Präsidentschaft wird.

Die Demonstrationen draußen im Land, die Entschlossenheit der Justiz, die kritische Berichterstattung in den Medien – man kann das alles als ermutigende Zeichen sehen; die amerikanischen Institutionen erfüllen ihre Aufgabe, das System von Checks and Balances funktioniert. Doch über Trumps Erfolg oder Misserfolg entscheiden am Ende nicht die Demonstranten, nicht die Presse, auch nicht die Gerichte. Über Trumps Erfolg oder Misserfolg entscheiden die Republikaner. Die Partei, die ihn nominiert hat. Die Partei, die mit ihm einen faustischen Pakt eingegangen ist: Er hat ihr den Wahlerfolg geschenkt, dafür hat sie sich ihm ausgeliefert.

Die Republikaner, das war mal eine respektable konservative Partei. Manche nennen sie immer noch die "Grand Old Party". Sie trat zuverlässig für den Freihandel ein, für die Nato, für wenig Staat und viel Freiheit. Für traditionelle Werte: Familie, Religion, Patriotismus.

Noch vor ein paar Jahren galt Donald Trump bei der jährlichen Conservative Political Action Conference (CPAC), dem Hochamt der Rechten, eher als schwer erträgliche Randfigur. Seine Indifferenz gegenüber Themen wie Homo-Ehe, Abtreibung und dem Islam machte ihn für viele der christlichen oder evangelikalen Konservativen unseriös. Und Trumps heutiger Chefberater, sein Mastermind Stephen Bannon, wurde damals gar nicht erst eingeladen. Er rächte sich mit einer eigenen Konferenz unter dem Namen "Uninvited".

Vorbei, vergessen. In den letzten Jahren ist die Partei immer weiter nach rechts gerückt, erst gekapert von den Neokonservativen, dann getrieben von der rechten Tea-Party-Bewegung. Und nun himmelt sie Trump und Bannon an.