Ohne Robert Mercer hätte es Donald Trump wohl nicht ins Weiße Haus geschafft. Und ohne ihn würde die neue Regierung vermutlich nicht so rechtsnational auftreten. Der 70-jährige Hedgefonds-Manager und sein Clan hassen den Staat. Seit Jahren wollen sie die Vereinigten Staaten in eine radikale freie Marktwirtschaft verwandeln. Und sie kommen voran.

Robert Mercer wohnt 80 Kilometer von New York entfernt auf einer Halbinsel. In Head of Harbor siedelten Ende des 17. Jahrhunderts englische Farmer, heute sind es Multimillionäre. Das Tor zu Mercers Anwesen, an einer schmalen Küstenstraße mit alten Eichen gelegen, flankieren zwei große Eulen aus Bronze. Angriffslustig haben sie die Flügel ausgebreitet. "Eulennest" steht auf einer Tafel. Die Zufahrt aus Kopfsteinpflaster, gesäumt von Blumenkübeln im römischen Stil, verliert sich in der Ferne. Vom Gebäude selbst ist nicht einmal das Dach zu erblicken.

Außer Sichtweite, so will Mercer am liebsten bleiben. Interviews gibt er fast nie, Gesprächsanfragen der ZEIT zu seiner Rolle im Präsidentschaftswahlkampf blieben unbeantwortet. Mercer selbst, seine Ehefrau Diane, mit der er fast 50 Jahre verheiratet ist, und seine drei Töchter meiden die Öffentlichkeit weitestgehend.

In der Vergangenheit hat Mercer für die Beibehaltung der Todesstrafe in Nebraska gespendet und Klimaskeptiker finanziell unterstützt – sowie einen Chemiker, der die angeblich größte Sammlung menschlichen Urins angelegt hat. Selbst in seiner Branche gilt der Hedegefonds-Manager als Rätsel. "Niemand weiß, was ihn antreibt", sagt ein Wall-Street-Veteran über Mercer, der einschlägigen Schätzungen zufolge allein 2015 etwa 150 Millionen Dollar verdient haben soll. Er hat Trump unterstützt und tut das noch heute. Mercers Vertraute gehören zu den engsten und zugleich umstrittensten Beratern im Weißen Haus.

Im August vergangenen Jahres gaben Beobachter Trumps Kandidatur kaum noch Chancen. Seine Rivalin Hillary Clinton verfügte nicht nur über mehr Geld, sondern auch über eine erfahrenere Wahlkampftruppe – und eine digitale Strategie. Google-Chef Eric Schmidt persönlich half Clintons Kampagne mit technologischer Expertise. Doch dann bekam Trump Beistand von unerwarteter Seite: Mercer und seine Tochter Rebekah hatten zunächst Ted Cruz unterstützt, gegen den sich Trump allerdings in den Vorwahlen durchgesetzt hatte. Nun wandte sich Trumps Tochter Ivanka an Rebekah Mercer. Bei einem gemeinsamen Lunch im Trump Tower in New York sollen sich die beiden Töchter gut verstanden haben, berichtete die Washington Post unter Berufung auf Insider.

Mit dabei war auch Kellyanne Conway. Die hatte mit ihrer Firma The Polling Company schon viele konservative Politiker beraten und auch für die Ted-Cruz-Kampagne der Mercers gearbeitet. Kurz nach dem Treffen feuerte Trump seinen bisherigen Wahlkampfmanager und ersetzte ihn durch Conway.

Ebenfalls im August wurde Steve Bannon neuer Chef der Trump-Kampagne. Und auch zu Bannon haben die Mercers eine enge Verbindung. Der ehemalige Goldman-Sachs-Banker leitete zu dem Zeitpunkt Breitbart. In die ultrarechte Nachrichtenseite haben die Mercers nach Informationen von Bloomberg mehr als zehn Millionen Dollar investiert.

Bannon betrachtet Breitbart als Plattform für die Alt-Right-Bewegung. Dem Wall Street Journal sagte er, dabei handele es sich um "junge Menschen, die gegen die Globalisierung, sehr nationalistisch und gegen das Establishment" seien. Rassistische und antisemitische Ansichten würden auf Breitbart nicht toleriert. Ein Titel im Sommer 2015 feierte allerdings die Südstaatenflagge – für viele Afroamerikaner ein Symbol der Sklaverei – als Zeichen "unserer glorreichen Vergangenheit". Im Mai vergangenen Jahres beschimpfte Breitbart einen konservativen Trump-Gegner als "abtrünnigen Juden". Ein anderer Artikel kritisierte die Geburtenkontrolle und empfahl: "Wir müssen uns ausreichend vermehren, um die muslimischen Eindringlinge in Schach zu halten."

Es gibt weitere Verbindungen zwischen Rebekah Mercer und Bannon. Die Familienstiftung der Mercers unterstützte das von Bannon gegründete Government Accountability Institute, in dem Rebekah zeitweise Verwaltungsrätin war. Das Institut soll nach eigenen Angaben "kapitalistische Vetternwirtschaft" entlarven und gab pünktlich zum Wahlkampfauftakt von Hillary Clinton das Buch Clinton Cash heraus. Darin geht es um Interessenkonflikte und Verbindungen von Hillary Clinton zu ausländischen Regierungen, als diese noch Obamas Außenministerin war. Das Buch lieferte auch die Grundlage zu einem von Bannon und Rebekah Mercer produzierten Film. Vater Mercer stellte seine Jacht zur Verfügung, die 75 Millionen Dollar teure Sea Owl, um die beiden zur Filmpremiere zu den Festspielen in Cannes zu bringen.

Für Trump waren die Mercers mehr als stille Finanziers im Hintergrund. Sie hätten "den Donald ins Gebet genommen und ihm klargemacht, dass sein bisheriges Team versagt hatte", erzählte der Unternehmer Toby Neugebauer, der zuvor mit den Mercers an der Ted-Cruz-Kampagne gearbeitet hatte, bei einer Veranstaltung im vergangenen Herbst. Trump hielt eigentlich nichts von der Analyse von Wählerdaten, dennoch heuerte er Cambridge Analytica an. Mehrere US-Medien berichteten, dass Steve Bannon zu dieser Zeit im Aufsichtsrat der Firma gesessen haben soll. Auch die Mercers sollen 2012 nach der Wiederwahl von Barack Obama in Cambridge Analytica investiert haben. Darauf angesprochen, wollte sich das Unternehmen weder zu Bannon noch zu den Mercers äußern.