Das Schönste ist das Aquarium. Gibt es ja heute kaum noch, ein Aquarium in einem Fernsehstudio. Dieses ist ziemlich breit, maritimblau beleuchtet und karg bepflanzt. Auf der linken Seite steigen Luftblasen empor, Kugeln, die so dick sind, dass sich die Fische an ihnen stoßen können. Manchmal möchte man gar nicht hinsehen, so knapp ist das. Andererseits scheint es sich um besondere Fische zu handeln.

Wenn man auf ihre Zuckungen achtet, ihren unaufhaltsamen Weg durch das Becken lange genug verfolgt, dann glaubt man plötzlich, dass ihre Schuppenhaut zu schimmern beginnt: Weißblau, Rotweiß, Schwarzgelb. Farben, wo eigentlich keine sind. Alles verschwimmt – glücklicher Sonntagabend.

Sky90 – die Fußballdebatte heißt die Sendung. Gucken kann man sie Sonntag für Sonntag von 19.30 Uhr an. Zielgruppe des Talks sind wohl die Unentwegten, all jene Fußballfreunde, die nicht genug kriegen können – vielleicht auch jene Männer, die etwas länger brauchen, bevor sie alle Tatbestände vom Wochenende richtig kapiert haben. Für sie alle ist Patrick Wasserziehr ein guter Gastgeber. Wer aber ist Patrick Wasserziehr?

Wasserziehr ist der Moderator der Sendung. Er darf als Gastgeber direkt vor dem Aquarium sitzen. Manchmal, wenn Wasserziehr nachdenkt und dabei den Kopf zur Seite neigt, sieht es so aus, als schwämmen ihm die Fische ins rechte Ohr hinein und danach aus dem linken wieder heraus. Aber das täuscht natürlich.

Den Namen des Moderators werden sich Hamburger Fußballfreunde schon deshalb merken, weil der Mann in diesen Tagen angenehm leise ist, wo andere laut sind. Ihm ist Rücksicht nicht fremd. In seiner Sendung am vergangenen Sonntag fiel kein wirklich schlechtes Wort über den HSV. Besser noch: Eigentlich fiel überhaupt kein Wort über den HSV. Keine dieser zähen Debatten, ob das schon Fußball sei, was die Jungs machten. Es geht also auch so. Es war eine Wohltat, die wir Wasserziehr so schnell nicht vergessen werden.

Es fiel auf, wie angenehm abgedunkelt das ganze Studio an diesem Abend war. Die Fische zogen in sedierender Mühelosigkeit ihre Bahn – so würdevoll also kann Fernsehen sein, sonntagabends, wenn der letzte Ball getreten ist.

War es ein besonderes Taktgefühl, das es dem Moderator erlaubte, den Besuch des HSV in München, 8 : 0, so dauerhaft zu ignorieren? Hatte es das Spiel entgegen anderslautenden Meldungen vielleicht gar nicht gegeben? Ja, die Medien. Kann man mal sehen.

Während der Zuschauer darüber so scharf nachdachte, wie er es um diese Zeit noch konnte, verschärfte Patrick Wasserziehr unversehens das Tempo. Lars Stindl war plötzlich das Thema. Jener Fußballer von Borussia Mönchengladbach, der seinen letzten Treffer nicht mit dem Kopf oder den Füßen erzielte, sondern mit der bloßen Hand. Ein Aufreger. Wasserziehr fand dieses Verhalten völlig daneben. Zumal Sünder Stindl die Tat nicht leugnete, wie sonst auf dem Platz üblich. Das mit der Hand habe er nicht gewollt, sagte er treuherzig. Es sei ein Reflex gewesen. Na ja.

Ob dieser Stindl seine Tore nicht hätte freiwillig zurücknehmen können – ja, dies sogar hätte müssen?

Als der Reporter wieder erwachte, schwammen die Fische ins Bild. So, als wäre nichts gewesen.