Mehr Elbe geht nicht. Als Ort des Gesprächs hat Stefan Gwildis den Anleger von Teufelsbrück vorgeschlagen. Nicht im geheizten Restaurant Engel will der 58-jährige Sänger sitzen, sondern im Imbiss direkt auf dem Ponton, wo der eisige Januar-Wind unter Mäntel und Jacken kriecht. Ein passender Platz für einen Mann, der mit seiner rauen Stimme über die Freiheit singt, die Liebe und das Meer.

DIE ZEIT: Herr Gwildis, Sie sind erst mit Anfang 40 berühmt geworden. Warum so spät?

Stefan Gwildis: Das ist mir auch unbegreiflich. Nein, im Ernst: Was gerade anlag, habe ich gemacht. Einmal bin ich am Thalia Theater vorbeigegangen und habe den Pförtner gefragt: "Was muss man tun, wenn man hier mitmachen will?" Ich hatte damals lange Haare und einen Bart, er sagte: "Komm am Dienstag, da haben wir ein Casting für die Drei Musketiere". Sie haben mich genommen. Ich war sportlich gut drauf und habe dort eine geile Ausbildung bekommen.

ZEIT: Als Schauspieler?

Gwildis: Für Fecht- und Stuntszenen. Das war großartig, ich kam gerade von der Schule und habe gleich eine kleine Sprechrolle bekommen.

ZEIT: War das Ihr erster Job?

Gwildis: Ich habe als junger Mann ganz viele Jobs gemacht. Ich bin Transporter gefahren, habe im Lager gearbeitet. Mit 17 bin ich zu Hause raus, deshalb brauchte ich Geld.

ZEIT: Warum so früh?

Gwildis: Das war in den Siebzigern, ich hatte ganz andere Vorstellungen als meine Eltern.

ZEIT: Warum treffen wir uns in Teufelsbrück?

Gwildis: In diesen Imbiss hier kam ich als Jugendlicher mit meinem Vater nach dem Hockeyspiel. Hier gab es Bier und Pommes. Ich bin ein Hafenfan. Hauptsache, Elbe, Hauptsache, raus, dieses herrliche Grau genießen. Schon mein Großvater war hier Getreidekontrolleur, mein Onkel hat hier gearbeitet, meine Neffen tun es noch.

ZEIT: Wann haben Sie mit Straßenmusik begonnen?

Gwildis: Schon in der Zeit vor dem Thalia Theater. Mein Musikerfreund Rolf Claussen und ich wollten testen, ob wir Anklang finden. Wir dachten, bis wir in einer Musikhalle auftreten, wird das noch eine Weile dauern. Also war der Plan: Stell dich hin, sing deinen Scheiß vor, und guck, ob das interessant ist. Die ersten Versuche waren grauselig. Dann fingen wir an, Instrumente selber zu basteln. Schlagzeuge aus Teekisten, mit Wäscheleine, Zellophanpapier. Wir haben auch auf Kochtöpfen gespielt. Das mochten die Leute.

ZEIT: Hat Ihnen das Geld damals gereicht?