Unter dem lichten Hellgrün der Bäume am Abhang bei der Stadt steht eine neudichte Siedlung. Kirschblüten über makellos gekiesten Wegen, Bänke, auf denen niemand sitzt, Kinderkram, vergessen da und dort. Eine alte Frau geht langsam von einer Bank zur nächsten, verschwindet hinter dem Häuserrand. Vor einem Hauseingang ein Bündel Velos, ein Büschel männlicher Schuhe, Töpfe mit Vergissmeinnicht und viele Setzlinge. Dazwischen ein Stirzel von Bäumchen in einem Flecken Gras.

Sag, stimmt das wirklich, dass du nichts vorher weißt, keine Frageliste hast? Das ist gut. Auch mutig, vielleicht wirst du jetzt zum ersten Mal ein Problem bekommen mit deiner Methode. Ich habe echt ganz wenig zu erzählen. Bin total uninteressant. Aber gut, wir schauen mal, gut.

Was ist Glück? Es gibt diesen permanenten Druck zur Lebensoptimierung. Alle reden davon, strudeln darin, in einem nie abklingenden Glückszwang. Ich habe kein Bedürfnis, diese Welt materiell zu verändern oder ihr etwas hinzuzufügen. Ich muss nichts Materialisiertes zurücklassen. Keinen Stein versetzen, kein Haus bauen, keinen Baum pflanzen, kein Kind zeugen, um glücklich zu sein. Eher möchte ich, wenn ich mich denn entscheiden müsste – einfach unbemerkt verschwinden. Mich verflüchtigen. Das Prinzip der totalen Vergänglichkeit, das fasziniert mich seit meiner frühen Jugend.

Ich finde zum Beispiel den Prozess des Kaputtgehens etwas Schönes. Schönheit im Sinn von Makellosigkeit interessiert mich überhaupt nicht, sie ist so entsetzlich spannungsfrei. Der Pulli, der ein Loch hat, ist mir der liebste. Ich weiß nicht, woher das kommt. Vielleicht von den Geschichten, die das Gezeichnete mit sich bringt?

Meine Mutter würde sagen – Du bist einfach zu faul, um den Pulli zu flicken. – Das ist so meine Ostschweizer Bauernherkunft. – Bist einfach ein fauler Hagel. – Und das ist sicher wohr, die Mutter hat recht.

Auch in meinem Garten ist es so, uh, ich liebe mein Wildwuchsblumenchaos. Das ist doch ein Geschenk! Ich schaue mir den Garten an und freue mich an dem, was da wieder alles passiert. Fast ganz ohne mich passiert. Ich habe einfach nicht so viel Gestaltungswillen.

Im Beruf gestalte ich aber ständig. Wenn ich eine Geschichte erzähle in einer Sendung, ist das nichts anderes als Gestalten von Realität mittels Worten. Es ist ja nie so, dass ich die Menschen abbilde, wie sie sind. Sondern ich bilde sie ab nach dem, was mich interessiert.

Ich habe mir auch nie überlegt, wie stelle ich mir mein Leben vor, und dann so Ziele definiert, Station eins und Zwischenziel zwei und Endziel soundso. Bei mir bewegt es sich flächig, ziemlich unstrukturiert. Ich könnte natürlich auch herausfinden, dass ich ein Defizit habe, und darunter leiden, dass ich nicht fähig bin, mein Leben aktiv zu gestalten. Eine Therapie machen oder wenigstens einen Kurs. Null Lust. Und obwohl ich sagen muss, ich lebe hirnverbrannt bauchgesteuert – ganz falsch kam es nicht heraus.

Die reale und große Herausforderung jeden Tag ist, alles unter einen Hut zu bringen. Die Familie, den Beruf, die Liebe, die Welt. Ich habe drei Söhne. Und arbeite viel. Aber wenn ich Morgenschicht habe, bin ich um elf wieder daheim. Ziemlich müde meistens, aber Müdigkeit ist kein schlechter Zustand, um mit Jungs zusammenzusein. Nicht müde sein heißt nämlich, dass man meint, man müsse noch was leisten.

Nimmst du Kaffee? Ich habe aber nur solchen aus dem italienischen Kännchen.